Robbie Williams – Swings Both Ways

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Robbie Williams swingt wieder. Robbie Williams arbeitet wieder mit Guy Chambers zusammen. Robbie, Swing und Chambers, das kann doch nur ein gutes Album ergeben, oder?

Wie schon bei Robbies erstem Ausflug in den „Swing“ auf „Swing When You’re Winning“ stellt sich natürlich wieder die Frage: Ist der Stil des Albums „Swings Both Ways“ wirklich Swing? Und natürlich kann dies nicht vollkommen bejaht werden. Was Robbie als Swing bezeichnet, ist die Art von Big-Band-Musik, wie sie vom Rat Pack und anderen Künstlern insbesondere im Rahmen von Film-Musicals popularisiert wurde.

„Swing When You’re Winning“ war nicht das einzige Album der Jahrtausendwende, das versuchte, einen Swing-Sound im aktuellen Pop zu nutzen, es war in seiner überraschenden, augenzwinkernden und selbstironischen Art aber eines der besten. So kitschig manch eines der Arrangements daherkam, so überzeugend war doch der Gesamteindruck.

Das Gesamtpaket stimmt im Grunde auch auf Robbies zweitem Ausflug in den Swing, aber unterschwellig fehlt etwas. Beispielhaft kann hierfür die Kooperation mit Olly Murs genannt werden. Zusammen interpretieren beide den Dschungelbuch-Hit „I Wanna Be Like You“. Das macht Spaß, aber das liegt weniger an den beiden Sängern oder dem Arrangement, sondern es beruht ganz einfach auf der Qualität des Stücks und darauf, wie bekannt es einem ist. Der hier präsentierten Version fehlt jedweder eigener Charakter. Murs und Williams vermögen es in keiner Weise, dem Stück ihren Stempel aufzudrücken. Es könnte auch eine beliebige Tanz-Kapelle spielen. Den meisten Stücken des Albums geht es ähnlich. Weder die Neukompositionen (z. B. „Go Gentle“) noch die Cover-Versionen (z. B. „Puttin‘ On The Ritz“) können wirklich einen besonderen Zauber entfalten, der über den generellen Reiz des Swing oder die den Originalen innewohnende Qualität hinausgeht. Selbst der von Robbie mit Rufus Wainwright gemeinsam geschriebene Titeltrack bleibt blass, beziehungsweise die beiden Sänger schaffen es nicht, ihn auf Hochglanz zu polieren. Zwar versuchen sie hier einen selbstironischen Charme zu entfalten, und das gelingt auch ein bisschen, aber insgesamt plätschert die Nummer am Hörer vorbei und er fragt: War da was?

In dieser schwungvollen Nettigkeit wirkt „Soda Pop“ willkommen. Die stürmische Kooperation mit Michael Bublé reißt einen heraus aus dem steten Fluss gut hörbarer, aber kaum überraschender Nummern. Zugegeben, auch zuvor konnte bereits die gelungene, einfach schöne Cover-Version von „Dream A Little Dream“ überzeugen, bei der Lily Allen den Part der weiblichen Duett-Stimme neben Robbie übernimmt. Auch beim „Puttin‘ On The Ritz“-Cover machen die Beteiligten nichts falsch. Aber sie machen halt auch nichts Besonderes, Erinnernswertes. Erstaunlicherweise überzeugt es aber nicht einmal unbedingt, wenn sie denn, wie in „Minnie The Moocher“, die Effektkiste auspacken und ohne Zweifel eine erinnernswerte Version präsentieren.

Den absoluten Album-Höhepunkt hebt Robbie sich für den Abschluss auf. „Nobody Likes A Fat Pop Star“ ist eine Mischung aus englischer Seebad-Karussell-Musik und Musical-Chor-Hymne und als solche nicht nur überraschend und musikalisch interessant, sondern vor allem das, wofür wir Robbie so schätzen: große Unterhaltung. Strategisch geschickt am Ende platziert, bestimmt „Fat Pop Star“ den Eindruck eines Albums, das mit dem Swing-Pop „Shine My Shoes“ auch schon vielsprechend begann. Beide Stücke können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Swing Both Ways“ zwar nicht schlecht ist, aber eben auch nicht unbedingt überzeugt. Wahrscheinlich kann man sich das Album auf Dauer schön hören, aber die Momente des fragenden „Ja, und weiter?“ werden bestehen bleiben.