Dota – Wo soll ich suchen

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Ich bekenne mich schuldig – und vermutlich kann ich da auch für http://www.eclat-mag.de und den Vorgänger http://www.helga-rockt.de sprechen. Dota, oder Dota Kehr, oder Dota und die Stadtpiraten, oder einfach die Kleingeldprinzessin ist bisher an mir vorbeigegangen. Dabei ist sie alles andere als ein Newcomer. Elf Alben in zehn Jahren machen sie wahrscheinlich zu einer der dienstältesten deutschen “Liedermacherinnen”, einer der dienstältesten deutschen Songwriterinnen. Somit muss dem Deutschlandradio Kultur gedankt werden, dass es Dota und ihr elftes Album “Wo Soll Ich Suchen” vorstellten.

Das Album, Dotas Songwriting, die Produktion der Stücke sind ein wohltuender Kontrast zur aktuellen N3DW, der neuen, neuen, neuen Deutschen Welle im Pop. Oder ist es doch schon die N4DW? Wo diese Deutschpop-Welle, angeführt von Tim Bendzko und Frida Gold, einerseits zwischen Schlager und einer bohlenisierten Version von Rock pendelt und andererseits zwischen Chillwave und Soul eine Erneuerung sucht, präsentiert sich mit “Wo Soll Ich Suchen” eine erholsame, eine außergewöhnliche Platte in diesem (zumeist) weichgespülten Einheitsbrei. Dota, die nicht wirklich treffend schon mit Astrud Gilberto, mit Joni Mitchell oder auch mit Kurt Tucholsky verglichen wurde, präsentiert ein in gewissem Maße altmodisches, aber eigentlich zeitloses Liedermacher-Album, das auf verblüffende Weise ebenso Assoziationen zu den alten deutschen Herren wie Franz Josef Degenhardt wie aber auch zu Bands wie Kante heraufruft. Eine Referenz im Jahr 2013 für Dotas 1960er Jahre inspirierte Chansons sind sicherlich Prag, wobei die Referenzierung hier wohl eher umgekehrt laufen müsste. Prag machen das, was nicht zuletzt Dota ihnen vormachte.

Die 13 Stücke auf “Wo Soll Ich Suchen” zehren musikalisch aus einem traditionellen, dem deutschen Chanson verpflichteten Songwriting. Im Kern stehen Stimme und Gitarre. Darum entfaltet eine vielfältige Instrumentierung eine außergewöhnliche Atmosphäre. Die Produktion suggeriert Perfektion. Hier dürfte kein Element fehlen und keines zusätzlich hinzukommen. Aus diesem Mittelpunkt heraus und mit Hilfe eben dieser perfekten Instrumentierung entfalten sich atmosphärische Kunstwerke des Pop. In ihren besten Momenten (z.B. “Warten Auf Wind” oder “Rauschen”) reichen die Dota’schen Songs an die intensivsten Momente der stilleren Stücke von Kante heran. In den weniger guten Momenten ist es ganz anders, nämlich eben einfach Chanson-Pop und doch einfach wunderbar.

Neben der Perfektion der Instrumentierung beruht die Qualität, die Alleinstellung des Albums auf Dota Kehrs Lyrik. Sie fasst Alltagserlebnisse, Sehnsüchte und all die menschlichen Interaktionen, die wir mögen oder eben auch nicht, in Worte, die Hirn wie Herz erfassen. Sie vermag mit ihren Texten lyrische Gemälde zu malen oder aber auch den Alltag in wunderbaren Geschichten zu erzählen. Sehnsucht wurde selten so wunderbar verpackt, das einkalkulierte Scheitern von Plänen selten so wortgewandt besungen, die Frage nach dem Danach selten so gelungen in Songs transportiert. Die Texte thematisieren das große Glück im Kleinen ebenso wie die Intensität verschütteter Gefühle und die heute alltägliche Konkurrenzsituation, die das Leben so falsch erscheinen lässt. Die hier vertonten Gedichte können in ihrer Bedeutung sofort erfasst werden, ohne dabei die Holzhammermethode zu nutzen. Der Zauber der Sprache überzeugt ebenso wie die Bedeutung der Worte, sei es Natur- oder Gesellschaftsbeobachtung.

Man mag sich fragen, warum Dota nicht die großen Hallen füllt. Vielleicht liegt es daran, dass Ihre Musik von manchem aufgrund ihrer Tradition eben doch noch in die “Kleinkunstschublade” gesteckt wird. Vielleicht fehlte Ihr bisher der eine Hit – wobei mit “Hoch Oben” und “Warten Auf Wind” sich mindestens zwei auf “Wo Soll Ich Suchen” finden. Vielleicht ist es auch einfach das, was die Künstlerin möchte. Wie dem auch sei, ihr elftes Album wird die Hörer, die es findet, glücklich machen. Garantiert.