Justus Köhncke & The Wonderful Frequency Band – dito

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Fünf Jahre nach “Safe And Sound” präsentiert Justus Köhncke sein nunmehr sechstes Solo-Album – diesmal als Justus Köhncke & The Wonderful Frequency Band. Wie schon bei Whirlpool Productions in den 1990ern, aber ähnlich auch bei geistesverwandten Künstlern wie Robag Wruhme und DJ Koze versteckt sich hier einmal mehr die musikalische Qualität, die künstlerische Leistung hinter einem humoresk vorgetäuschten Dilettantismus.

Dieser Versuch, etwas unfertiger erscheinen zu lassen, als es ist, kann durchaus ermüden und beeinflusst den eigentlich durchaus positiven Eindruck des Albums. Diese Langzeitwirkung des deutschen Punk, Post-Punk und New-Wave in der zeitgenössischen elektronischen Musik nimmt auf Justus Köhncke & The Wonderful Frequency Band tatsächlich gelegentlich überhand, so dass der Hörer nicht unbedingt Grund hat, die Tracks nochmal hören zu wollen. Tut er es allerdings, so kann sich das Album durchaus zu einem dauerhaften Begleiter entwickeln, denn es gibt einiges, was die geneigte Aufmerksamkeit verdient. Anderes wiederum aber nervt einfach nur.

Eine leichtfüßig entspannte Atmosphäre bestimmt das Album. Schon die Eröffnung “Flitter Und Tand” lullt in ihrer sanften Effizienz ein und öffnet das Gemüt für all das, was kommen mag. “Tell Me” setzt die unaufgeregte und einladende Einleitung fort, um dann langsam die möglichen Wege anzutesten, die gegangen werden könnten. Diese Richtungen beinhalten unter anderem einen deutschsprachigen Pet-Shop-Boys-Emulator (“Tell Me”), elektronisches Popsongwriting, das so auch von Tocotronic kommen könnte (“Wonderful Frequency Band” featuring Andi Toma von Mouse On Mars) sowie Andreas-Dorau-Gedächtnismomente (“Idee, Prozess, Ergebnis”). Darüber hinaus finden sich düster elektronisch experimentell Unentschiedenes und direkt Tanzflächenorientiertes. Während über den drögen Funk “New Direction” der Mantel des Schweigens gehüllt werden sollte, bildet “Loop” den unumstößlichen Höhepunkt des Albums als in sich geschlossenstes Stück, das zudem am direktesten alle Rezeptoren zusammen anspricht: Herz, Gehirn, Körper.

Alles in allem ist “Justus Köhncke & The Wonderful Frequency Band” ein ungemein sympathisches Album, eine unaufgeregte Nebenherunterhaltung und funktioniert daher ebenso wie einfach nur Radiohören, aber auf einem musikalisch anderen Niveau. Die Unauffälligkeit des Albums provoziert leider aber auch die Frage, ob ich (der Hörer) das wirklich brauche.