Atom TM – HD

Uwe Schmidt (aka Atom™) schreibt über sein neues Album, “HD” sei spirituell, musikalisch und wissenschaftlich. Diese Aussage ließe sich dahin deuten, “HD” ähnele im Stil den Vorgängern “Winterreise” oder “Liedgut”. Besonders letzteres konzentrierte sich auf einen sehr wissenschaftlichen Blick auf die (elektronische) Musik und wurde daher von der De-Bug nicht zu Unrecht als “Meta-Album” bezeichnet.

Allerdings täuscht die Ankündigung. “HD” ist zuvorderst Pop im elektronischen Sinne. Es ist ebenso dubtechno-inspiriert, wie es eine Verbeugung oder Aneignung von Kraftwerk ist; gelegentlich tendiert Atom™ hier sogar zum Electro-Pop. Hier findet sich ein relativ gerader Technoklang neben Songs, die fast als Rock durchgehen würden. So ließe sich behaupten, “HD” sei außergewöhnlich für Atom™. Allerdings vergäße man dann, dass Uwe Schmidt eben auch noch (aber nicht nur) unter dem Pseudonym Sñor Coconut veröffentlicht. So reihen sich die verschiedenen Stile des Albums zwischen eben Pop, Techno oder auch “Rock”-Remix (“The Sound Of Decay”, “My Generation”) am Ende logisch in Schmidts Oeuvre ein.

Der Pop-Charakter des Albums zehrt nicht zuletzt daraus, dass fast alle Tracks erstaunlicherweise Vocals besitzen und vordergründig sogar in klassischer Song-Struktur umgesetzt sind. Häufig steht die Inszenierung des Gesangs in einer ganz klaren Linie zu Kraftwerk. Dies geht soweit, dass einem “Pop HD” und “Strom” fast als neue Kraftwerk-Stücke verkauft werden könnten. Andererseits klingt “I Love U”, auf dem Schmidt von Jamie Lidell unterstützt wird, doch eben vor allem nach eben jenem.

Interessanterweise kündigt Schmidt den Pop bereits im Titel des ersten Albumtracks an, doch glaubt man ihm dies zunächst nicht. Nichtsdestotrotz offenbart sich Atom™ hinter dem vordergründigen Pop-Bild auch hier immer wieder als experimentelles und kleinteilig perfektionistisches Alter Ego von Schmidt. So sind die Tracks auf “HD” eben doch tiefer als einfach nur Pop, und genau diese Brechung von Experiment und Pop, bei der letzterer immer gewinnt, macht die Qualität des Albums aus. Achtete man nur auf Poppigkeit, wäre “HD” ein lohnendes, ein gelegentlich begeisterndes und ein immer wieder überraschendes Album. Die Vielfalt der Tracks hinter den Vocals erhöht die Qualität nur noch. Taucht man so in die Tracks ein, fällt es leicht, sich in der Räumlichkeit und der klangspielerischen Vielfalt der Tracks zu verlieren.