Various – Johnny D presents Disco Jamms Volume On

am

Natürlich sind Disco und Funk wichtige Episoden der Musikgeschichte gewesen, ohne die weder HipHop noch House das wären, was sie heute sind. Das gilt für beide Genres sowohl in ihren poppigen wie in ihren alternativen Ausformungen. Disco-inspirierte Acts, die über Genregrenzen hinaus begeistert haben, waren in der jüngeren Vergangenheit vor allem Daft Punk und Justice. Nichtsdestotrotz lässt sich über das Genre wohl kaum noch groß Neues sagen bzw. lässt sich kaum noch Überraschendes an Tracks ausgraben.

Insofern ist die von „Johnny D“ De Mario zusammengestellte Compilation „Disco Jamms Volume One“ vor allem unglaublich nichtssagend. Der Hörer bekommt 76 Minuten Disco und Funk präsentiert, die eben nur und ausschließlich das sind: Disco und Funk. Das unterhält, das ist amüsant und gefällt, aber weder Up Front noch Spencer Jones noch Sass noch Mahogany noch Kasso oder wer sonst hier vertreten ist bieten klanglich und musikalisch etwas, das so nicht schon vor dreißig Jahren an Disco-Compilations vertreten gewesen wäre. Diese „Disco Jamms“ grooven, sie verströmen die gleiche Nostalgie, die auch jedweder im Studio 54 angesiedelter Film aufruft. Das ist nett, das ist absolut ohne Makel, aber brauchen tun das wirklich höchstens die extremsten Disco-Fans – und die wiederum werden lieber durch die verstaubenden Vinylkisten in Plattenläden, auf Flohmärkten oder bei Sammlungsauflösungen graben, denn sich Johnny Ds Mix zu kaufen.

Ja, auch auf Johnny Ds „Disco Jamms“ lassen sich die Ursprünge von House und HipHop nachvollziehen, selbst wenn die meisten Stücke hier bereits aus den frühen 1980er Jahren stammen, und, ja, Disco hat nicht zuletzt dank der Hercules Love Affair kürzlich erst eine weitere nachgeborene Generation erreicht, so dass eine Wiederentdeckung der O’Jays oder Cerrones mehr als willkommen sein kann. Dennoch aber bleibt diese Platte wenig mehr als eine kurze Zerstreuung. Wo Cerrone und The O’Jays tatsächlich die Hits der Compilation liefern, die Stücke andererseits generell um so besser sind, desto dreckig funkiger sie daherkommen und sich mit Lafleur sogar ein echter negativer Ausreißer findet, ist der einzig wahre Höhepunkt der Platte sicherlich Klein & MBOs „Dirty Talk“, der eben weniger Disco als vielmehr schon kraftwerkisch angehauchter Electro ist. „Johnny D presents Disco Jamms Volume 1“ ist nett, aber nicht mehr.

Advertisements