The Micronaut – Friedfisch

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Fangen wir mit der Kritik an: Auf The Micronauts „Friedfisch“ klingen sowohl die Melodien wie auch die Beatmuster äußerst vertraut, der Hörer glaubt all dies schon einmal von anderen Künstlern gehört zu haben. Allerdings scheitert er möglicherweise daran, dies genauer zuzuordnen. Somit entwickeln die elf Tracks eine direkte Vertrautheit, ein sofortiges Gefallen, nimmt der präsentierte Electropop sofort gefangen.

„Friedfisch“ changiert zwischen akustischen Bandcharakteristika und elektronischer Beatschmiedatmosphäre. Schon die ersten zarten Xylophon-Anschläge im eröffnenden „Rotfeder“ lassen aufhorchen und wecken Gefallen. Spätestens, wenn dann aber in „Karpfen“ Beat und Bass nach und nach die Kontrolle über die Synthesizer-Flächen übernehmen, zieht das Album in seinen Bann. Obwohl scheinbar schon mal gehört, entwickeln sich Melodien und Beats doch in immer wieder überraschenden Bahnen, und selbst wenn es sogar erscheint, als ließe sich die Entwicklung des Tracks vorausahnen, schlägt The Micronaut ungeahnte Haken und sorgt so für Begeisterung. So eröffnet „Schleie“ mit orientalischem Gesang, um dann einer fast Scuba-esken Bassmusik Platz zu machen, die nachfolgend von akustischen Gitarrenklängen ans Tageslicht zurückgeholt wird. „Friedfisch“ ist elektronischer Pop. Diese Poppigkeit entsteht aber eher nebenbei aus der Perfektion der experimentellen Arrangements, die so ineinandergreifen, dass aus dem Experiment Wohlklang entspringt. „Schleie“ wiederum verbindet diesen Pop dann sogar noch mit der Tanzfläche im Club. Es ist dieses natürliche Nebeneinander, dessentwegen „Friedfisch“ so vielfältig und doch in sich geschlossen erscheint, weswegen die Platte in jeder Situation funktionieren dürfte.

Zugegeben, nicht alles überzeugt hier in jeder Instanz, manches wirkt etwas gezwungen – insbesondere, wenn das Experiment zu sehr nach Warp klingen will. Dennoch aber ist „Friedfisch“ ein begeisterndes Album, das Club und Wohnzimmer und Radio, große und kleine Boxen und Kopfhörer zusammendenkt und auf jeder Ebene funktioniert. Hier trifft Pop auf Experiment, beide verbinden sich mit Bassmusik und gebrochen fehlerhafter Electronica, um dann aber doch auch ab und an den geraden Beat zu begrüßen. Das mag zum Beispiel in „Äsche“, „Hasel“ oder „Schmerle“ arg vertraut klingen, ist aber dennoch musikalisch groß und unterhaltend.