Terranova – Hotel Amour

am

Eine der besten DJ-Kicks-Compilations (1998) – oder doch gar die beste –, ein Remix für einen der besten Tracks aller Zeiten („Jungle Brother“ von Jungle Brothers) und ein ausgesprochen faszinierendes Debütalbum (1999), das ist das, was hier von Terranova ankam. Die drei nachfolgenden Alben bis 2004 und weitere Tracks gingen irgendwie vorbei. Dabei war der berlineske Entwurf von TripHop und loungiger Electronica, den das Debüt bot, eigentlich ein Vorzeichen für eine große Karriere in der elektronischen Musik, insbesondere in Zeiten des – derzeit reduzierten – Berlin-Hypes.

Einerseits hat Terranova heute wenig mit Terranova 1998 zu tun, allein Fetisch verbleibt als gemeinsamer – aber eben wichtigster – Nenner. Andererseits zeugen die Tracks des neuen Albums „Hotel Amour“ von den gleichen Einflüssen wie anno dazumal. Zwar weist „Hotel Amour“ in weiten Strecken vor allem Züge des House auf, aber doch schwingt in allen Tracks die tiefe Liebe für Soul, Funk und HipHop mit, die Fetischs Schaffen prägt. Der tiefe House-Charakter wandelt sich so zur Perfektion eines Stils, der am ehesten als Electrosoul zu bezeichnen ist. Dazu tragen Fetisch und &mes Produktionen ebenso bei wie die Riege der vertretenen Sänger. Snax und Khan stehen mit ihrem eigenen Schaffen bereits für einen elektronischen Soul, aber im Zusammenspiel mit Terranovas funktionalen, aber seelenvoll berührenden Beats gelingt dieses Bestreben noch einmal besser. Auffallender als die kongeniale Kombination von Terranova und Khan (und Snax) gelingt allerdings das abschließende „Prayer“: sphärischer, von synthetischen Streichern begleiteter Synthiepop, über den Nicolette Krebitz – auch eine alte Bekannte im Terranova-Kosmos – zärtlich unsauber singen darf und dabei von Udo Kier unterstützt wird. Billie Ray Martin wiederum – deren letztjähriges Album als The Opiates hier zurecht ignoriert wurde – erhebt mit ihrem divaesken, rauchigen Gesang „Make Me Feel“ zu einem Albumhöhepunkt. Als letzter Vokalist ist WhoMadeWhos Tomas Høffding zu erwähnen, der in fast Antony-esker Manier nicht nur seinen Gesang zum symphonischen Electropop der Albumeröffnung „Question Mark“ beisteuert, sondern auch das defacto Justin-Timberlake-Cover „Paris Is For Lovers (My Love)“ zu einem clubbig-intensiven Albumhighlight erhebt. Zugegeben, es klingt, als singe Timberlake selber, aber gerade das macht den Reiz von „Paris“ aus.

In der Vielfalt zwischen House, Electro, Pop und Soul finden sich mit dem fast experimentellen, karibisch perkussiven „Avenue Wagram“, dem an 70er Jahre Pop angelehnten, balzenden „Code Blue“ und dem technoiden Discofunk „I Want To Go Out“ weitere Ohrenschmäuse. Nicht nur deshalb ist „Hotel Amour“ mehr als nur ein Comeback-Album oder ein „Lebenszeichen“ von Terranova, sondern wird zum Pflichtprogramm für Freunde elektronischer Musik.