Scuba – Personality

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Paul Roses drittes Album („Personality“) als Scuba ist eine seltsame Angelegenheit. Man könnte ihn und die Platte dafür preisen, wie sie die Vielfalt elektronischer Musik in ein Album gießen, wie hier House, Rave, Trance, Dubstep, Minimal und Synth-Pop auf eine große ganzheitliche Reise durch die Gefilde des Electro einladen. Allerdings ließe sich auch berechtigt die Beschwerde anbringen, dass Rose hier elf vollkommen herkömmliche Tracks schustert und sie zu einem Album zusammensetzt. Am Ende sollte der zweite Eindruck überwiegen. Die elf Stücke auf „Personality“ sind alle ziemlich gut, (fast) alle irgendwie schon mal gehört, alle einfach nur Electro. Sie könnten in ihren Grundcharakteristiken von sonst einem (potentiell längst vergessenen) Electro-Musiker stammen, und sie bilden vor allem in keinster Weise ein Album, sondern höchstens eine Club-Compilation. „Personality“ ist also all das nicht, was den Vorgänger „Triangulation“ auszeichnete. Damit wäre es eigentlich an der Zeit, mit dem Meckern aufzuhören – denn wie gesagt, Scubas Tracks überzeugen im Prinzip auch hier – doch wieso hier Stücke wie Remixe für New Order und Whigfield klingen müssen, und zwischendurch auch noch Assoziationen an Coldplay aufkommen … ach, egal.

Besagte Quasi-Remixe sind das ravende, synthie-poppige „July“ und das verspielte, perlende „NE1BUTU“ . Zuvor eröffnet aber „Ignition Key“ die Platte housig-elektronisch ravend und „Underbelly“ suggeriert tatsächlich die Größe des Vorgängeralbums zwischen Berliner Minimal und Londoner Bass, ergänzt durch Jazzbesen-Effekte. Ansonsten ist Scubas Ursprung im Dubstep im Grunde nur in zwei Stücken entfernt zu erkennen, dem zähen Drum’n’Bass von „Cognitive Dissonance“ und dem trägen, souligen Garage-Track „Tulips“. „Gekko“ fällt in das Feld des ravigen Electros voller übersteuert verstörter, treibender Effekte, genau wie der Post-Chemical-Brothers-Pre-Propellerheads-Big-Beat von „The Hope“. Ähnlich aggressiv, aber vollkommen technoid erklingt „Action“ und das Album beschließt in Underworld’schem Maximalismus, technoid und ravig, „If U Want“. In gewisser Weise ist dieser Abschluss die Synthese all der gegeneinanderlaufenden Tracks zuvor.

„Personality“ vereint elf durchaus mehr als reizvolle Tracks, bildet jedoch kein Album-Album. Sollte Paul Rose damit seine eigene musikalische Persönlichkeit offenbaren wollen, wird es wohl vor allem irgendwann in Zukunft eine Bedeutung bekommen. Sollte er es als Soundtrack für einen Film über seine 1990er Jahre sehen, könnte es auch ziemlich gut funktionieren. Ansonsten ist es eine nette Sammlung guter Tracks, die einen aber als Album unbefriedigt zurücklässt.