Pentatones – The Devil’s Hand

am

Ohne jeden Zweifel gehören die Pentatones, das Quintett um Sängerin Dehlia de France, zu den interessantesten Produkten deutscher elektronischer Musik. Natürlich liegt das zu einem nicht unbedeutenden Teil an de Frances Gesang, der in all seiner Vielseitigkeit die Stücke auf dem Album „The Devil’s Hand“ eint. Ebenso vielfältig und wichtig ist aber der elektronische Pop, den die Band darum schmiedet. Allerdings greift bei den Pentatones „elektronisch“ als Beschreibung zu kurz. Denn auch wenn elektronische Bestandteile zentral für den Klang der Band sind, finden sich um diesen Mittelpunkt doch zahlreiche und komplexe akustische Arrangements. So changieren die Stücke zwischen simplem Pop, experimentellen Klanggebilden, Spoken Word Performances, Broken Beats, Jazz und Electropop der 1990er Jahre.

So gut die Stücke auf „The Devil’s Hand“ auch einzeln sein mögen, so wenig können sie aber leider auf Dauer fesseln. Wie Wrongkong vor ihnen konzentrieren sich die Pentatones auf ein kreatives, poppiges Electrosongwriting, das eben interessant ist, aber das man auf lange Sicht nicht unbedingt häufig hören muss und möchte. So spannend dann die Albumeröffnung ist, so wenig fesseln die nachfolgenden Stücke. Auch wenn sich darin eine fantastische Broken-Beats-Spoken-Word-Nummer findet, so ist diese eben doch vor allem eine Verbeugung vor 4Hero und Ursula Rucker. Überhaupt sind die besten Stücke der Platte jene, die an Vorgänger der Pentatones erinnern, an andere Künstler also, die Electro und klassische Bandstrukturen zusammendachten. Besagtes Spoken-Word-Stück ist beileibe keine bloße Kopie von 4Hero. Die eskalierende Elektroskulptur, die es ist, reizt auch in ihrer eigenen überraschenden Entwicklung. Am Ende aber denkt der Hörer dennoch vor allem, dass er jetzt doch mal wieder die „Earth Pioneers“ EP rauskramen sollte.

Ähnliche Effekte – auf andere Künstler bezogen – stellen sich immer wieder ein. Aber auch darüber hinaus vermag „The Devil’s Hand“ nicht vollkommen zu überzeugen. Die elektronischen Drums, Pianoanschläge und de Frances Gesang sind alle gut, aber fügen sich selten zu einem auf Dauer fesselnden Ganzen zusammen. Düster pulsierende Elektroschwaden machen nichts falsch, aber packen einfach nicht. Selbst clubtaugliche Nummern wirken fast überholt, obwohl sie in das spannende Feld zwischen wonky HipHop und triphoppigem Pop passen.

Nein, „The Devil’s Hand“ ist kein schlechtes Album, denn eigentlich ist jeder Song gut. Die Pentatones versäumen es jedoch, ihre Musik wirklich eigen zu gestalten und zudem schaffen sie es nicht, den Hörer zu packen. So ist es denn auch müßig zu fragen, was hätte sein können, wenn die Band sich auf den atmosphärischen, elektrosymphonischen Pop im Stile des Albumabschlusses konzentriert hätten.