Orbital – Wonky

am

Acht Jahre nach ihrer letzten Platte, dem „Blue Album“, und 23 Jahre nach ihrer ersten Single veröffentlichen Phil und Paul Hartnoll aka Orbital dieser Tage „Wonky“. Die beiden Electro-Maximalisten präsentieren auf diesem, ihrem nunmehr achten Album klassischen, massen- und festivalkompatiblen Electro. Einerseits steht dabei der Beat, die Ekstase im Mittelpunkt, andererseits aber versuchen sie, die Melodie zu ihrem Recht kommen zu lassen. Dabei gelingt dann manches – oder fast alles – in gewissem Maße unnötig seicht, die Stücke vermögen aber immer ihre Effektivität zu wahren. Während „Wonky“ im Grunde klassisch rave-orientiert – oder auch klassisch Orbital – daherkommt, ignorieren die Hartnolls nicht die Entwicklungen der elektronischen (Pop-)Musik und schaffen so eine durchaus unterhaltsame und vielfältige Platte.

Zu Beginn überwiegt das Ohrenfreundliche und unauffällig freundlich hüpfend Ravende, doch nach und nach erweitern die Hartnolls die Dimension von „Wonky“. Gen Ende erklingt im Titeltrack dann sogar extremer Rave-Garage, irgendwo zwischen Skrillex und Ghettotech. Das ist ziemlich nervig, aber auch sicherlich effektiv. Altmodischere Breakbeats erklingen dagegen in „Beelzedub“, dessen Qualität ebenfalls nur – oder immerhin – bedingt zu würdigen ist. Ähnlich einschränkendes Lob verdient der ungemein effektiv inszenierte Electro von „Distractions“, der sich am Ende etwas langatmig streckt.

Orbital präsentieren auf „Wonky“ jedoch auch Tracks, die über jeden Zweifel erhaben sind. Dazu gehören der hymnisch-energetische Synthiepop „New France“, der sich vor M83 (und deren Vorgängern) verneigt und zu dem Nika Roza Danilova (Zola Jesus) Vocals beisteuert. Auch der klassische Rave von „Stringy Acid“ ist in seiner glitzernden Schönheit ein Albumhöhepunkt, ebenso wie das abschließende „Where Is It Going?“. Diese klassische Techno-Pop-Hymne im Stile eben Orbitals oder auch Underworlds funktioniert dank des effektiven Spins nicht nur auf dem Festival, sondern setzt auch im kleinen Rahmen – zuhause – Glückshormone frei.

„Wonky“ ist sicherlich kein Meisterwerk, aber eine kleine, ehrliche Platte, die in ihrem vielfältigen Charakter und in ihrer Eingängigkeit ungemein überzeugt. Orbital präsentieren ihren Electro hier mit einem Ohr in der Vergangenheit und mit einem Ohr an den Bedürfnissen des Pop-Publikums. Das weiß einfach nur zu gefallen.