Marco Resmann – Watergate 10

am

Einmal mehr eine Mix-CD aus den Tiefen der Berliner Clubkultur. Den Anfang im Jahr 2012 macht die zehnte Auflage der Compilationreihe des Watergate. Mit einem Kolibri auf dem Cover zeichnet diesmal Watergate-Resident und Upon.You-Labelgründer Marco Resmann für die Reise in die Tiefen des House verantwortlich. Was soll man sagen, „Watergate 10“ übertrifft alles, was im vergangenen Jahr aus den Hallen von Berghain, Panorama Bar oder eben Watergate an Mix-CD erschien.

Es wäre erstaunlich, käme eine originäre Club-Mix-CD ohne Längen aus, doch Resmann präsentiert über weite Strecken einen dermaßen funkigen House voller Tiefe, dass weniger fesselnde Momente nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Wo manche Compilations durch die Einbindung mehr oder weniger klassischer Hits gewinnen, überzeugt Resmanns „Watergate 10“ durch die Kontinuität der Stimmung. Zwar ist zu Beginn eher eine getragene Harmonie vorhanden, während später die Bassline und der Beat deutlich im Mittelpunkt stehen und das Tempo angezogen wird, aber durchgängig bestimmt eine warme Tiefe den Mix und die Arrangements. Darin verströmt die Platte zwar in gewissem Sinne eine klassische (90er Jahre) House-Atmosphäre, aber Resmann vermeidet es, abgegriffene Klischees einzubinden.

Der discoide Funk, der sich von den ersten Momenten bis zum Ende durch den Mix zieht, macht aus Resmanns Watergate eine fast durchgängig überzeugende Platte. Sein Geschick, zumeist die kreativeren Tracks des Genres House zu wählen und die harmonische Seite der Musik in den Vordergrund zu stellen, ohne in zu offenkundige Fahrwasser abzudriften, machen die zehnte Ausgabe der Reihe zu einer wahren Freude. Jene kurzen Schwächephasen, die in der Mitte zu einem Stirnrunzeln führen, lassen sich auf die 80 Minuten wohl kaum vermeiden.