Madonna – MDNA

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Wie kommt es eigentlich, dass trotz besseren Wissens immer noch die Hoffnung herrscht, Madonna – oder MDNA – werde ein Album veröffentlichen, das die Musikszene jenseits aller Genregrenzen begeistert? Natürlich ist dies auch bei ihrer nunmehr zwölften Platte nicht der Fall. Wenn hier also Frau Ciccone und Langzeit-Produzent William Orbit auf typische und zeitgemäß angesagte Euro-Dance-Macher wie Martin Solveig und Benny Bennassi treffen, kommt nur eins dabei raus: ein weiteres Madonna-Album. In dieser scheinbar wertfreien Äußerung schwingt mit, dass hier eigentlich jeder Song schon mal von Madonna gehört wurde. Hinzu kommt jedoch, dass wir jeden Song ebenfalls schon mal von anderen Künstlern gehört haben. Da hilft auch nicht, dass M.I.A. und Nicki Minaj mitwirken dürfen – es macht es sogar schlimmer.

Um es klar zu sagen, die Zielgruppe – das heißt nicht unbedingt die alten Fans – werden das Album großartig finden und das kann man ihnen nicht einmal übelnehmen. Zwischen Black Eyed Peas, Pitbull, Flo Rida, LMFAO, Nicki Minaj, David Guetta, Justice und Cascada ist definitiv Platz für die Dancefloor-Queen Madonna. Der verpoppte Electrosound ist vollkommen zeitgemäß und Madonnas Gesang verortet ihn eindeutig in ihrem Schaffen. Unter Großraumdiskotheken- und Jugendradio-Gesichtspunkten ist „MDNA“ eine uneingeschränkte Empfehlung. Überraschend – deshalb aber noch lange nicht gut – klingt allerdings nur die unter Beteiligung von Mika entstandene Tarantino-Dancefloor-Nummer „Gang Bang“, die aber tatsächlich ein Highlight dieser Platte ist. Ein anderes ist der sanfte, melancholische Albumabschluss „Falling Free“. Beide Nummern fallen hier aus dem Rahmen.

Trotz „Falling Free“ stehen auf dem Album Beats und Tanzfläche im Mittelpunkt, aber auch für die Ohrwurm-Sucher findet sich etwas. Mag „Superstar“ mit seinem „Uh La La“ extrem peinlich klingen, so ist es doch garantiert ein Song für die nächste Madonna-Best-Of. Gleiches gilt für „Masterpiece“, das von Julie Frost mitgeschrieben wurde, die auch an Lenas „Satellite“ beteiligt war.

Wenn man davon ausgeht, dass Madonna immer versucht, ein Album auf der Höhe der Zeit zu schaffen, das den maximalen Massenappeal besitzt, dann hat sie das auch mit „MDNA“ geschafft. Wenn man aber hofft, dass Frau Ciccone bereit ist, Risiken einzugehen, dann ist die Mischung zwischen Party-Atzen-Electro und Madonna-Pop eine Enttäuschung. Ja, es gibt erstaunliche Takte auf „MDNA“, aber alles in allem hecheln Orbit und Ciccone hier dem Zug des Pop hinterher, auch wenn sie sich tatsächlich nicht in dem Maße entblöden, wie es die Black Eyed Peas in den letzten Jahren taten.

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