Lindstrøm – Six Cups Of Rebel

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Wenn wir vorne anfangen, was ja immer eine gute Idee ist, muss festgestellt werden, dass der erste Track auf Lindstrøms neuestem Album „Six Cups Of Rebel“ kaum mehr ist als ein überlanges Intro. Eines, auf das die meisten Hörer gerne verzichten werden. Denn wer braucht schon ein – „No Release“ genanntes – fünfminütiges Solo einer Kirchenorgel?

Allerdings macht diese Albumeröffnung ihrem Namen „No Release“ gerade deshalb alle Ehre, und umso erfreuter begrüßt man das nachfolgende „De Javu“ als Erlösung. Bereits seit November bei Pitchfork zu hören, vertreibt er die Nachwirkungen der Kirchenorgel vom ersten Moment an mittels hektisch-discoider Beats und knarzender Klangeffekte. In jeder Hinsicht übertrieben und mit zwei Schichten zu viel Bass lässt „De Javu“ einen kaum mehr los. Ähnlich pompös und die schlimmsten Prog-, Glam- und Glitter-Äskapaden in die elektronische Disko übertragend, nimmt „Six Cups of Rebel“ weiter seinen Lauf. So greift „Magik“ die Orgeleskapaden auf, nutzt sie jedoch in einer clubfreundlicheren, übersteuerten Art. Die Funk-Gitarre und motorische Beats gehen wiederum im Titeltrack eine verstörend gute Ehe ein, während all das kosmisch oder progressiv Discoide sich in „Hina“ zu einem hypnotischen Abschluss vereint. Auf die Dauer des Albums ist die Dichte des progressiven Kitschs und der treibenden Rhythmen ungemein erschöpfend, aber auf eine beglückende Art.

Während die Albumeröffnung die Spannung unerträglich steigert, ohne sie zu lösen, so ist der Rest von „Six Cups Of Rebel“ eine durchgängige Tour De Force kosmisch krautiger Disko-Eskapaden. Lindstrøm greift jedes Klischee einer europäischen 1980er-Jahre-Disko-Ästhetik auf, übertreibt es noch einmal und überführt es so nicht nur in eine erträgliche, sondern gar in eine begeisternde, zeitgemäße und ekstatisch funktionale Form. „Six Cups Of Rebel“ ist über weite Strecken eine wahre Offenbarung.