Hobo – Iron Triangle

Alle paar Jahre wieder kommt eine Platte, die den Eindruck erweckt, das Genre Minimal habe seinen Namen von Richie Hawtins M-Nus Label entlehnt. Auch wenn eine solche Darstellung natürlich die Geschichte verfälscht, wirkt es beim Hören von Hobos Debütalbum „Iron Triangle“ einmal mehr, als habe diese Platte gar nicht woanders als auf M-Nus erscheinen können.

Im Zentrum des eisernen Dreiecks von Joel Boychuks Tracks steht der pure, rohe Beat. Die Kicks und Bässe bilden die Grundlage. Im Idealfall gelingt es Boychuk, diese allein zu einem bannenden Track zu verbinden. Weitere Drum-Elemente und melodische Fragmente sorgen in dieser hypnotischen, begeisternden Monotonie nur für die essentiellen Haltepunkte, Drops und Breaks oder für die Steigerung der Intensität. Im anderen Extremfall ergänzen erst Melodiefragmente die fast langweilige Bassline zu einem faszinierenden Track. Zwischen beiden Polen, die den eingangs erwähnten Eindruck der kongenialen Verbindung zwischen M-Nus und Hobo hervorrufen, finden sich jedoch auch Stücke, deren Produktion das minimale Muster verlassen und Hobos Techno verspielt vielschichtig in eine fast ravige Ecke schieben.

Der Reiz dieser minimalen Technoklangwelten besteht in der Natürlichkeit, in der Boychuk seinen Tracks einen impliziten Funk einverleibt. Wo manch ein Minimaltrack leicht bloß monoton erscheint, erzeugen hier Nummern wie „Duress Duress“, „Get Down“ oder „Here Comes Everybody“ sofort den Drang, sich der Rhythmik tanzend hinzugeben. Während dies suggeriert, die Nummern seien auf den Club zugeschnitten, funktionieren sie aber ebenso gut in anderen Situationen, das heißt, dem eigenen Wohnzimmer oder als hypnotische Begleitung der täglichen Computerarbeit.

Dennoch steht die Funktionalität im Mittelpunkt der Produktionen. Selbst wenn „Ipperwash Dusk“ atmosphärisch intensiv daherkommt, prägen akzentuierte Rhythmen das Album und verdeutlichen Boychuks Bestreben, doch vor allem den Körper anzusprechen und so die Möglichkeit zu bieten, den Geist in der repetitiven Monotonie zu vergessen.

Dies gelingt Hobo in ausgesprochen hohem Maße. Die Platte nimmt gefangen und bannt den Hörer in hypnotischen Klangwelten. Das macht „Iron Triangle“ nicht zu einer außergewöhnlichen Platte, aber zu einer sehr guten.