Hanne Hukkelberg – Featherbrain

am

Dissonanz ist ein essentieller Bestandteil des experimentellen Indierock-Jazz-Pop, den Hanne Hukkelberg auf ihrem vierten Album „Featherbrain“ entwirft. Entsprechend anstrengend ist die Platte in weiten Zügen. So sehr das fasziniert, so viel Geduld erfordert es doch auch, den Zugang zu finden.

Diese Einleitung könnte die verklausulierte Feststellung sein, „Featherbrain“ sei unhörbar. Die Wahrheit ist aber weit entfernt davon. Vielfältig gegeneinander wirkende musikalische Stränge bilden die Grundlage der im Grunde klaren und unkomplizierten Inszenierung, in der sich immer wieder Momente puren und höchsten Glücks finden.

Die Dissonanz löst sich für einzelne Augenblicke auf und es erstrahlt reines Gefühl, pure emotionale Bannung des Hörers. Klavier, Streicher, Schlagzeug und Gitarren mögen nahezu chaotisch und sich steigernd scheinbar unzusammenhängend durcheinander wirken, ein skandinavischer Schneesturm mag über uns hinwegfegen, doch plötzlich stehen wir in strahlender Klarheit vor einem tiefblauen Fjord. „Featherbrain“ ist ein kaltes Album, eines, das den Hörer nicht zu wärmen vermag und es nicht einmal versucht. In dieser Schroffheit ist es jedoch eine zutiefst lohnende Auseinandersetzung. Das raue Ungehobelte der Stücke verströmt im Kern eine ungemeine Energie, die, hat man sich denn darauf eingelassen, sofort packt. Die Stücke erscheinen durcheinander, und dennoch findet sich in ihnen – erkennt man in jedem Takt – reine Klarheit. Obwohl die Songs gleichzeitig den Eindruck machen, einfach gestrickt zu sein, wandelt sich die Erkenntnis der Tracks bei jedem neuen Hören.

Stücke ohne Melodie stehen neben Phasen purer Harmonie, zart Fließendes ergänzt industrielles Stampfen. Allein das auf Norwegisch vorgetragene „Erik“ zum Abschluss fällt aus dem Rahmen in seiner direkten Zugänglichkeit. So bildet es aber den perfekten, wohlgesonnenen Abschluss und hinterlässt uns in all seiner Traurigkeit doch hoffnungsfroh.