Goth-Trad – New Epoch

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Elektronische Musik ist häufig dann am besten, wenn sie versucht, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Takeaki Maruyama aka Goth-Trad versucht genau dies. „New Epoch“, sein viertes Album und das erste nach sieben Jahren, ist vordergründig nur eine weitere Platte aus dem globalen Bassmusik-Netzwerk, dessen Ursprung im Dubstep bzw. dem UK-Garage liegt. Wie bei den besten seiner Zeit- und Genre-Genossen entfalten sich in den Tracks auf „New Epoch“ ganz neue Klangwelten.

Goth-Trads Visionen elektronischer Musik sind einerseits unberechenbar, ihre Entwicklung ist nicht vorauszusehen, aber sie beschränken sich nicht – anders als bei Anstam zum Beispiel – auf die Aneinanderreihung immer weiterer Ideen. Vielmehr bilden all diese Einfälle am Ende in sich geschlossene Tracks. Im Nachhinein besitzt alles eine klare Logik. Das gilt auch für „New Epoch“ als Album. Mögen die aggressiven Bässe in „Departure“ in ihrem Minimalismus und ihrer extrem monotonen Wiederholung anstrengend wirken und scheint es, als passten sie nicht zu der bezaubernden, melodiösen Vielfalt der Albumeröffnung „Man In The Maze“, so sind doch beide Stücke Ausdruck der gleichen Bewunderung für die Möglichkeiten der Bassmusik und der bewundernswerten Ideenvielfalt des Künstlers. Beide Stücke und auch den weiteren Verlauf des Albums eint, dass sowohl aus purer Rhythmik wie aus minimalistisch melodischer Electronica, aus gebrochenen Jungle-Beats wie aus ravigen Synthesizern, aus elektronischem Krach wie aus ambientem Dub zutiefst bannende Tracks entstehen, die einzeln und als Albumganzes zu wahrhaft neuen Erfahrungen elektronischer Musik werden. Die geschlossene Vielfalt des Albums wird nur in einem Moment durchbrochen. Der elektronische Dub-Reggae „Babylon Fall“ mit Max Romeos Vocals will sich einfach nicht in den Rest des Albums einbinden und bleibt so ein Störfaktor, ohne jedoch ein schlechter Song zu sein. Vielleicht ist das Problem einfach, dass „Babylon“ der einzige Song zwischen zehn Tracks ist.

Goth-Trad präsentiert mit „New Epoch“ ein dublastiges Bassmusik-Album (um nicht Dubstep zu schreiben), das, selbst wenn es vertraut klingt, immer noch neue Nuancen andeutet und dessen vielfach experimenteller Charakter manchmal ganz neue Klangwelten offenbart. Am Ende ist „New Epoch“ eines der ersten großen Ausrufezeichen der Bassmusik in 2012.