Die Aeronauten – Too Big To Fail

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m 21. Jahr ihres Bestehens und 20 Jahre nach der ersten Kassette veröffentlichen die Aeronauten ihr neuntes Album. Die Schweizer Version einer Verbindung von Superpunk und Calexico präsentiert „Too Big to Fail“ als Doppelalbum. Auf der einen Seite finden sich die typischen Aeronauten-Surf-Garagen-Soul-Pop-Swing-Rock-Nummern, die auf der zweiten Seite um einen fiktiven B-Movie-Soundtrack ergänzt werden. Wo das eine nicht wirklich Anlass zu Beschwerden gibt, folgen in Teil zwei von „Too Big To Fail“ doch Momente zum Augenbrauenhochziehen. Aber das mindert am Ende nicht die Qualität des Albums als Ganzem.

Insofern finden sich natürlich die für die Aeronauten typischen, ungemein bluesig-countryesk swingenden Nummern auf „Too Big To Fail. Selbstverständlich ist Guz rauer, nasaler Gesang immer noch die beste Alternative, wenn einem Udo Lindenberg und Jan Delay mal wieder auf die Nüsse gehen. Ohne Zweifel begeistert einmal mehr der tragikomische Gegensatz von reflektierend-kabarettistischen Texten mit süßlich übertriebenen Backgroundvocals und zuckrigen Bläsern. Von „Jackenmann“ bis „IQ 39“ ist das Aeronauten’sche Songwriting einmal mehr über jeden Zweifel erhaben, doch mit dem eher langsam inszenierten Titelstück stellt sich dann doch eine gewisse Ermüdung ein. „Hemmungslos“ oder „Wegen Dir“ relativieren dies zwar, aber „Dröhnung“ und „Messerwerferin“ sorgen tatsächlich dafür, dass ein nicht geringer Teil der Stücke fast so etwas wie Langeweile aufkommen lässt.

Die zweite Hälfte des Albums eröffnet mit dem hörspielartigen „Ärger In Shit City“, das die folgenden, weitgehend instrumentalen Stücke in ihren imaginären Soundtrack-Kontext stellt. In dieser Inszenierung – und abzüglich der vernachlässigbar irrelevanten Songtitel – gewinnt die Musik der Aeronauten ganz neue Facetten, kommt die Qualität der Bläserarrangements und der intensiven, mal countryesken, mal swingend-jazzigen Klangmalerei auf eine ganz neue Art zum Tragen. Zudem versteht spätestens in dieser Form auch der letzte Hörer die ungemeine Tanzbarkeit aeronautischer Musik. Der wahre Reiz dieser zweiten Hälfte von „Too Big To Fail“ besteht aber tatsächlich in der Effektivität, mit der hier ein Kopffilm heraufbeschworen wird. Umso bedauerlicher ist das Ärgernis namens „Angry Samoans“, das objektiv einfach bescheuert ist und subjektiv dieses Kopfkino von einem Moment zum anderen komplett zerstört.

Lassen wir diesen – großen – Missklang sowie die latente Langeweile in Teilen der ersten Albumhälfte beiseite, so haben Die Aeronauten mit „Too Big To Fail“ ihrem Oeuvre ein musikalisches Ausrufezeichen hinzugefügt. Da beides aber eben nicht ganz auszublenden ist, verbleibt bei allem Gefallen nicht unbedingt ein übermäßiges Begehren, das Album zu häufig zu hören.