Cranberries – Roses

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Es gibt Platten, zu denen kann oder braucht man im Grunde nichts zu sagen. Damit ist jedoch nicht gemeint, die Alben seien so belanglos oder gar schlecht, dass sie gleich in die Ablage A könnten. Vielmehr geht es um Künstler, deren Schaffen oder zumindest deren Hits generationen- und nationenübergreifend bekannt sind, und deren neues Album einfach eins zu eins an diese Hits anschließt, ohne aber zu kopieren.

Eine solche Platte ist das Comeback-Album der Cranberries nach neun Jahren Pause. „Roses“ ist eine aus der Zeit gefallene Platte, die genauso gut 1995 hätte erscheinen können. Siebzehn Jahre Musikgeschichte scheinen an der Band um Dolores O’Riordan ohne jede Spur vorbeigegangen zu sein – glücklicherweise. Wer „Zombie“ und „Ode To My Family“ kennt – und das ist vermutlich jeder, selbst wenn man den Stücken keinen Titel geben oder sie mit einer Band verbinden kann –, für den klingt „Roses“ sofort vertraut. Einfache Harmonien werden im klassischen Rock-Bandgefüge von Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug vorgetragen, Popappeal, die Suche nach der perfekten Melodie und Songstrukturen, wie sie seit den frühesten Tagen der Pop-Musik üblich sind, interagieren hier mit einer impliziten Melancholie und jenem irischen Pub-Folk- und Pub-Rock-Charme, der die Cranberries eben von ähnlichen Bands wie den Cardigans unterschied. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal bleibt jedoch Dolores O’Riordans latent schriller Gesang, der ebenso bezaubern wie nerven kann und der immer wieder den Anschein macht, den gewünschten Ton eben gerade nicht so ganz zu treffen.

„Roses“ ist ein vollkommen unspektakuläres Album ohne Höhen und Tiefen und wäre dies vermutlich auch vor 20 Jahren gewesen. Hier muss kein Song besonders erwähnt werden, weder im Guten wie im Schlechten. Gerade dies macht aber die uncoole Qualität der Platte aus. Man kann das Comeback der Cranberries als altmodisch, als anachronistisch, als nostalgischen Fehler in der Matrix sehen. Eigentlich aber ist es einfach ein Radiopop-Album, das als solches nicht nur funktioniert, sondern restlos überzeugt. In seiner Unscheinbarkeit ist es ein Album, in das der Hörer sich ohne jeden Anspruch fallen lassen kann.

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