Clark – Iradelphic

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Natürlich hat es nichts mit seinem neuen Album „Iradelphic“ zu tun, dass Christopher Stephen Clark kürzlich auf Facebook ein Video des Physikers Richard Feynman verlinkte. Allerdings ließe sich durchaus auch sagen, es gebe wenig Zusammenhänge zwischen „Iradelphic“ und Clarks Vorgängeralben. Der offensichtlichste Anknüpfungspunkt, der verbleibt, ist die analoge Wärme des Klangs, die selbst die extremsten Produktionen Clarks immer durchströmt.

Ansonsten verzichten die Stücke hier weitgehend auf die großen Beatexperimente. „Com Touch“ und „Skyward Bruise / Descent“ tragen zwar genau diese, für Clark eigentlich typische, Handschrift, aber stehen im Kontext des Albums eben doch eher allein und erfüllen hier vornehmlich die Funktion ambienter Klangexperimente denn die echter Tracks. Der Grundcharakter von „Iradelphic“ ist allerdings eher einer des melancholischen, akustischen TripHops. Nicht nur instrumentale Gitarrenklänge sondern auch ein reines Piano-Stück erweitern das Clark’sche Klanglabyrinth und Martina Topley-Birds Gesang macht „Open“ und „Secret“ zu klassischen Nummern des Bristol-Sounds. So könnte denn „Ghosted“ auch von Portisheads „Third“ stammen.

Den cinematophonischen Charakter von „Iradelphic“ festigt nicht nur das abschließende „Broken Kite Footage“ in seinem ambienten Dröhnen. Besonders das dreigeteilte „The Pining“ bildet einen eigenen Klangfilm, auf den der Rest des Albums im Grunde nur vorbereitet. Das brechende Chaotische, das Clark sonst mittels Soundprogrammen schafft, erzeugt er in Teil 1 weitgehend oder zumindest klanglich dominant aus akustischen Instrumentalelementen. Wenn José González Clarks Klangvisionen teilen würde, klänge seine Musik wahrscheinlich ähnlich. In „The Pining Pt 2“ übernimmt dann die club-elektronische Komponente, wobei der Charakter weiter eher sanft bleibt denn brachial.

„Iradelphic“ – das sechste Clark-Album – ist eine ziemlich inkohärente Angelegenheit, die scheinbar wenig mit seinem vorhergehenden Schaffen zu tun hat. Nicht nur die Erweiterung des Klangkosmos, sondern vor allem der scheinbare Mangel an Zusammenhang macht die Platte dennoch zu einer lohnenden, immer wieder neu zu erfassenden, vor allem beruhigenden Klangreise.