Blue Fields – Ghost Story

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Es gibt Kooperationen von Musikern, die sofort Interesse wecken. Ein DJ, ein Gitarrist und eine Sängerin, eine kanadisch-japanisch-türkische Zusammenarbeit, in Berlin entstanden, all dies suggeriert, hier könnte Großes entstehen. Mike Shannon, Takeshi Nishimoto und Fadila sind zusammen Blue Fields. Ihr Album „Ghost Story“ erscheint dieser Tage auf Haunt Music, und tatsächlich durchströmt die Platte eine gewisse spukende, verfolgte Präsenz.

Die 13 Stücke des Blue-Fields-Debüts entspringen im weitesten Sinne dessen, was als Dancefloor-Jazz bezeichnet wird. Allerdings steht hier weniger die Tanzfläche im Mittelpunkt als die entspannte Erholung nach dem Tanzen. Von „Open Your Eyes“ zu Beginn bis zum abschließenden „Close Your Eyes“ durchströmt ein extremer, ein nicht zu häufig gehörter Wohlklang die Stücke. Die melodische Harmonie ist beeindruckend und die Stücke gewinnen noch durch die latent verquere jazzige Rhythmik, die sich immer wieder hinzugesellt. Beides interagiert mit den elektronischen Beats, die allerdings gelegentlich etwas unspannend erscheinen.

Überhaupt ist das eines der Probleme des Albums. In all seiner harmonischen Schönheit ist es ein perfekter unaufgeregter Begleiter, eine echte musikalische Schönheit, doch mangelt es ihm in Gänze an Spannung. Weder verlangen die Stücke danach, sie aufmerksam zu hören, noch verbleiben sie lang im Gedächtnis. Am ehesten erinnert man sich an eine jazzige Piano-Improvisation wie „Best Served Cold“, aber selbst hier überwiegt der harmonische, melodiöse Wohlklang – den man so in Jazzimprovisationen eher standardmäßig findet. Diese „Ghost Story“ fließt also unaufdringlich, unanstrengend und rein begleitend am Hörer vorbei. Beispielhaft steht das sphärisch vocal-electro-jazzige „Bones & Butterfly“ für diesen loungig-chilligen Charakter der Platte. So sehr die Stücke gefallen, so schnell sind sie vergessen, so sehr zum Beispiel „Why Continue The Lie“ momentan bannt, so schnell hat man sich nachfolgend davon gelöst.

In all der technischen Perfektion, dem unterkühlten Ideenreichtum dieser jazzig-elektronischen „Ghost Story“, fehlt es an der Tiefe, die den Hörer langfristig in den Bann zieht. Das Debüt von Blue Fields ist eine wirklich gute Platte, die man allerdings fast sofort wieder vergisst.