Addison Groove – Transistor Rhythm

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Subjektiv konnten die Albumveröffentlichungen auf 50 Weapons bisher nicht unbedingt die hohen in das Label gesetzten Erwartungen erfüllen (u.a. Cosmin TRG, Anstam). Auch Antony Williams (aka Headhunter) erstes Album unter dem neuen Moniker Addison Groove zeigt zwischendurch einige Ermüdungserscheinungen. Im Kern jedoch ist die Mischung aus Bass, HipHop, Dancehall und warp’scher Synthie-Electronica so überzeugend und es finden sich genug restlos begeisternde Tracks, dass die schwächeren Momente – die zum Teil auf der regulären Vinyl-Fassung nicht enthalten sind – kaum ins Gewicht fallen.

Was mit den verspielten, hektischen, gebrochenen Beats von „Entropy“ endet, beginnt mit den zentnerschweren Bässen von „Savage Henry“. Die Bässe rollen durch den Raum – und sei es nur der zwischen den Kopfhörern – und setzen sofort unter Strom. Auch wenn der Track nicht nur aus Bässen und tief gestimmten Toms besteht, so sind doch sie es, die den Track zu einem der Stücke machen, die in der Bassmusik dieses Jahr zu schlagen sind. Auch „Ass Jazz“ im späteren Albumverlauf verlässt sich weitgehend auf die kontinuierlich den Raum querenden Basslinien.

Mit Hilfe von Spank Rock entstehen dann der wonky HipHop von „Bad Things“ und das ravende „Beeps“. Was zunächst wie ein Bruch wirkt nach der rollenden Eröffnung, entwickelt auf Dauer einen ungemeinen Sog, dem sich zu entziehen kaum möglich erscheint. Sollte Williams tatsächlich ein Album geplant haben, das beim Autofahren nicht ablenkt, so dürfte dies gescheitert sein, denn die eröffnenden Tracks stellen eine deutliche Gefährdung der Fahrsicherheit dar. Weniger aggressiv und dafür zum Dancehall gewandt folgt „Rudeboy“. Stücke wie „Beeps“ und auch „Sooperlooper“ mögen in ihren übersteuerten Ravecharakteristiken und in ihrer hektischen Trashigkeit vielleicht ein wenig gestrig wirken, aber sie funktionieren um so erstaunlicher. „Starluck“ kontert diese billige, aber gute Effekthascherei mit düsteren Synthlinien. Der Synthesizer spielt auch in „Incredibly Exhausted Bunny Ears“ die Hauptrolle, was im Widerspruch zu der Aggressivität des Beginns steht, ein wenig ermüdet, aber dennoch alleinstehend einen faszinierenden Track ergibt.

In gewisser Weise wirkt „Transistor Rhythm“ durchgehend wie eine andere Interpretation des Konzepts, welches Mark Pritchard mit seinem Africa-Hitech-Album verfolgt hat, das heißt, eine Mischung aus Juke und Techno und Bass. Da verwundert es dann nicht, wenn sich kurz vor Ende eine Kooperation von Williams mit Pritchard findet („Dance Of The Women“), welche die afrikanische Dancehall über den Umweg von Chicago (Juke) mit dem europäischen Bass-Club kurzschließt. So bleibt am Ende für das Album zu sagen, was schon für die Eröffnung gilt, nämlich: dass diese Platte im Bereich der Bassmusik dieses Jahr erst einmal übertroffen werden muss.