Ursprung – Ursprung

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Bereits „Black Noise“ – Hendrik Webers Pantha-Du-Prince-Album aus dem Jahr 2010 – war geprägt von einer Ästhetik des „Aus-der-Natur-Kommenden“ und emotionalen Experimenten, die ihre Kraft aus Field Recordings zogen. Von einer solchen Herangehensweise führt eine relativ direkte Linie zu den Ursprüngen elektronischer Musik im Krautrock und seiner Spielform der kosmischen Musik. So ist es nur konsequent, dass Weber für Ursprung – sein Projekt mit Stephan Abry – diesen Weg weitergeht.

Ursprungs selbstbetiteltes Album taucht tief ein in die latent esoterischen Klangwelten der proto-elektronischen kosmischen Musik. Aus Gitarren, Computern und einer Vielzahl weiterer Klangquellen entsteht hier eine mal zutiefst faszinierende, mal verstörende und doch in Momenten leider auch einfach altmodisch klingende Platte. Allerdings überwiegt doch die Stärke der Stücke. Diese entspringt auf „Ursprung“ zu einem Großteil dem scheinbaren Gegeneinander von stiller, de facto ambienter Inszenierung der harmonischen Flächen und der Kraft, welche die rhythmischen Akzente besitzen. Während vordergründig Beat und Rhythmus kaum stattfinden, sind sie eben doch essentieller – wenn aber auch unscheinbarer – Bestandteil der experimentellen Klangflächen. Die Schichtungen und Überlagerungen der Töne finden hier ganz im Sinne der klassischen Vorbilder statt. So stellen sich Abry und Weber auch ganz offensiv gegen die hypnagogischen Schichtungsexperimente von Chillwave oder Witch House, wie sie die letzten Jahre die Hypemaschinen dominierten.

Ursprung bemühen sich erfolgreich, aus ambienter Wohnraummusik, vorgeblich störendem Rauschen und rhythmischen Electromitteln eine zeitgemäße, spannende, den Hörer allumfassende Musik zu schaffen. Dabei stehen sie zum einen ganz klar in der Tradition der 1970er Jahre, setzen eine Linie fort, die irgendwann und -wo auch Cluster, Brian Eno oder Manuel Göttsching enthält, erschaffen andererseits aber auch eine ganz klar filmisch inspirierende Musik, die im Kopf des Hörers ganz neue Welten hervorruft. Stille steht hier im Zentrum, aus ihr heraus aber entspringen zehn kleine, aber ungemein faszinierende Stücke.

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