La Sera – Sees The Light

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Ein Jahr nach ihrem selbstbetitelten Debüt veröffentlicht Ex-Vivian-Girls-Mitglied Katy Goodman ihr zweites Album als La Sera. Wo der Vorgänger gut, aber irgendwie auch ziemlich unscheinbar war, präsentiert sich „Sees The Light“ als musikalisch zuckersüße Symphonie voller bitterer Erkenntnisse über das Ende von Beziehungen und den nachfolgenden Aufbruch.

Während also der Vorgänger charmant, wohlgefällig aber eben wenig nachhaltig geriet, lässt sich „Sees The Light“ kaum ignorieren. Natürlich steht die strahlende, harmonische Schönheit erneut im Mittelpunkt, in der wiederum Goodmans nach vorne gemischter Gesang die Hauptrolle spielt. Die Musik glänzt, rockt, lärmt und perlt, die Gitarre singt, schreit, und rauscht dahin, die Rhythmus-Sektion rollt treibend oder streichelt zärtlich und Goodman haucht, drängt und jubelt über vergangene Liebe, den Wunsch, Verflossene zu vergessen oder über die beglückende Tragik, wieder allein zu sein und einen neuen Aufbruch zu wagen.

In der Spannung zwischen Wohlklang und Treibendem, süßen Vocals und bitteren Texten ist es schwer, einzelne Stücke hervorzuheben. Qualitativ muss dieser Versuch scheitern, doch stilistisch sticht „Real Boy“ heraus in seiner Mischung aus Surf-Pop und US-amerikanisiertem Calypso. Auch die dringlichen Hymnen „Drive On“ und „I Can’t Keep You In My Mind“ bilden wahre Ohrwürmer, die man ähnlich schwer vergisst wie das träge lärmende „Look How Far We’ve Come Now“ oder das vorwärtsstürmende „Please Be My Third Eye“.

Wo die Produktion ihres Debütalbums in Richtung Lo-Fi tendierte, ist „Sees The Light“ glasklar produziert. So ist die Platte am Ende eigentlich einfach Pop, wird aber in ihrer Vielfalt kaum den Pop-Erfolg haben, den sie verdiente. Geschickt zwischen Phil-Spector-Pop, Punk, Noise und reinem Indie changierend schafft Goodman als La Sera hier Songs solcher Schönheit, dass man „Sees The Light“ gerne auf Dauerrepeat hören möchte. Vielleicht ist diese träumerische, süße und doch böse musikalische Welt des lärmenden Wohlklangs nichts Neues, sondern seit den 1980er Jahren de facto durchgängig immer wieder ein gern gesehenes Produkt in den Kreisen der Independent-Musik; die variationsreiche Intensität der präsentierten Indiepop-Harmonien erheben den La-Sera-Zweitling jedoch in ganz eigene Höhen.

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