Julien Dyne – Glimpse

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Nein, es stimmt nicht, wenn man das zweite Album des Neuseeländers Julien Dyne als langweilig bezeichnet. Allerdings glänzen die elektronisch-souligen Beats auf „Glimpse“ auch nicht mit kreativ-innovativer oder gar futuristischer Kraft. Egal, ob man die Platte nun als Sammlung elektronischer HipHop-Beats sieht oder doch eher als neuseeländisches Garage-Album (sprich Dub- oder Poststep), sie verdeutlicht eine Schwäche und ist ein Symptom der aktuellen Musikszene. So nett – und nett ist hier nicht als kleine Schwester von „Mist“ zu lesen – das Album sein mag, so sehr ist doch die vornehmliche Gemütsregung das Zweifeln, ob das nun zehn oder doch schon 15 Jahre alt ist. Die 19 Stücke, die dreiviertel Stunde Musik auf „Glimpse“ klingt doch allzu sehr nach einer Vielzahl länger vergessener Chill- und Lounge-Compilations.

Anders formuliert sind Julien Dynes Beats die perfekte, unaufgeregte Beschallung eines durchschnittlichen Computerarbeitstages, denn nichts stört an der Platte und noch weniger fordert hier interessierte Aufmerksamkeit. Harmonisch schwebend in den Stücken elektronische Flächen und schön gleichmäßig geben die gebrochenen Beats der jeweiligen stupiden Tätigkeit einen Rhythmus. Technisch perfekt, genau wissend, was in der Software wie gemacht werden muss, besitzt „Glimpse“ kaum Eigenheiten, die sich herauszustellen lohnen. Die tanzenden Kicks in „Ernst“ in Verbindung mit den sie umwabernden Melodiebögen ist eine, vielleicht die einzige. Dagegen ist das Dunkle in „Rago“ eins zu eins bei Portishead entlehnt.

Wie gesagt, so nett das ist, so unauffällig ist es eben auch, so schnell vergisst man es. Nicht zuletzt ist dem so, weil sich hier doch zu viele Motive, zu viele rhythmische Elemente fast penetrant wiederholen und die Stücke sich auch insgesamt zu häufig zu sehr ähneln. Wenn das Label „Glimpse“ elektronische HipHop-Beats verkaufen will, vergisst es, dass es seit vielen Jahren dafür einen Namen gibt: TripHop. Wenn nun der Leser/Hörer bei TripHop im Jahr 2012 wenig interessante Chillout-Klänge erwartet, hat er bei „Glimpse“ tatsächlich weitgehend Recht.

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