Julia Holter – Ekstasis

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Nachdem Julia Holter vor acht Monaten mit ihrem Debüt-Album „Tragedy“ eines der experimentell ausdrucksstärksten Alben des Jahres 2011 veröffentlichte, folgt nun also der Nachfolger „Ekstasis“. Auf ihm versammelt die Multi-Instrumentalistin aus Los Angeles zehn Songs, die über die letzten drei Jahre entstanden.

So lang dieser Entstehungsprozess, so unterschiedlich die Stücke auf dieser Platte. Zwar einen weiterhin Holters Experimentierfreude und ihre vielfältigen Interessen in Jazz, Klassik, Neue Musik und die verschiedenen Formen von Vokalmusik die Lieder auf „Ekstasis“, am Ende dienen hier aber all diese Musikstile dem Schaffen von Popsongs. Damit ist Holters Zweitling deutlich direkter und zugänglicher als der Vorgänger. Da das Album aber gleichzeitig somit ein wenig zerfasert, nimmt es insgesamt nicht auf die gleiche Weise gefangen wie noch „Tragedy“. Die einzelnen Songs sind zwar erneut in sich jeweils beeindruckend und packend, aber „Ekstasis“ als Ganzes weiß dies nicht auf voller Länge zu konservieren.

Das ändert jedoch natürlich nichts an der grundlegend hohen Qualität der Platte. Stücke wie das eröffnende „Marienbad“ mit seinen Vokalspielereien, die von Knabenchor-Artigem bis zu Folk-Experimentellem reichen, wissen restlos zu begeistern, wogegen aber die zarte, träge Melancholie des nachfolgenden „Our Sorrows“ auf Dauer doch gelegentlich etwas ermüdend wirken kann. Ähnliches gilt für den Albumabschluss; das jazzig geprägte „This Is Ekstasis“ gerät aber dennoch zu einem Albumhöhepunkt.

Ähnlich melancholisch und emotional wie „Our Sorrows“ gelingt „Moni Mon Amie“ uneingeschränkt. So überwiegt denn auch auf Dauer die bezaubernde Qualität des hier präsentierten Pops, wie ihn zum Beispiel das vielfältige, stilistisch verzweigte Songwriting von „Für Felix“ oder „In The Same Room“ repräsentieren. Pop und Holter’sches Experiment treffen besonders deutlich und packend in „Goddess Eyes II“ aufeinander. Ähnlich gelungen verbindet Holter alle ihre Einflüsse im zwischen Pop, Jazz und Desi angesiedelten „Four Gardens“ zu einem perfekten Popsong. Hinzu gesellt sich das Ambient-Epos „Boy In The Moon“.

Julia Holters zweites Album ist kein Meisterwerk. Dafür ist es zu uneinheitlich, zu wenig in sich geschlossen. In all seinen Einzelteilen gelingt „Ekstasis“ jedoch dennoch als absolut faszinierende, emotional wie geistig bereichernde Platte.

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