Glitterbug – Cancerboy

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Till Rohmann aka Glitterbug schwebt auf seinem dritten Album „Cancerboy“ zwischen Ambient und tiefem Techno. Mal umschließen Glitterbugs Klänge den Hörer wie eine schützende Haut, mal treiben sie ihn voran, stacheln ihn an, sich zu öffnen und das Leben in vollen Zügen aufzusaugen.

Alles beginnt und endet sphärisch-düster und filmisch in einer Mischung aus Minimalismus und treibendem Beat. Dazwischen verbindet Rohmann introvertierte und expressive Emotionen auf begeisternde Weise zu einem Album voller Größe. Während ein Stück wie „To Guess“ sich allein auf die Spannung des Ambient verlässt und dies perfektioniert, entwickelt die Beschleunigung von „Abyss“ einen unwiderstehlichen Sog. Auch den vielfältigen Kicks und brummenden Bässen in „Passages“ lässt sich kaum entziehen in ihrer Klanggewalt. Hier wie auch an anderen Stellen gründet die Magie des Albums in der subtilen Kraft der Arrangements, in denen sich die Vielfalt der rhythmischen Mittel und ambient rauschenden Elemente gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Das gilt ebenso für „Don’t Stop“, den clubtauglichen Hit des Albums wie für die hektisch mitreißende tiefe Schönheit von „Outside My Window“. Dazwischen findet man auf „Cancerboy“ aber eben auch Stücke wie das zerbrechliche, ambient-experimentelle „From Here On“ und das minimalistische, fast in sich selbst zusammenfallende „Dragged Along“.

Am Ende ist nicht alles gelungen, aber die wenigen Ausnahmen lassen hier die Qualität der anderen Stücke nur um so stärker scheinen. Deren emotionale Wucht erfasst den Hörer komplett, der sich so in „Cancerboy“ vollkommen verlieren kann. Dies ist so beglückend, dass man am liebsten gar nicht aus den Tiefen des Glitterbug’schen Techno auftauchen möchte.

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