Dave Aju – Heirlooms

am

Es gibt Alben, da würde man am liebsten auf eine Besprechung verzichten, weil man nicht so viel Gutes darüber schreiben kann, wie man gerne möchte. Dave Ajus (aka Marc Barrite) zweites Album „Heirlooms“ gehört in diese Kategorie. Barrites Techno- und House-Tracks zehren von einer ungemeinen Wärme, von einer südländischen Körperlichkeit. Während einerseits Funk und Disco ihre Eindrücke in seiner Musik hinterlassen haben, zieht sich auch – auf eine gute Art und Weise – ein brasilianisch-jazzig-bossa-inspirierter Electro wie ein roter Faden durch das Album. Dies verbindet sich mit ungemein schweren Bässen, so dass in den besten Momenten pures Glück und reine Ekstase aus Ajus‘ Tracks entspringt.

Dummerweise finden sich neben diesen perfekten Momenten viele – zu viele – eher mittelmäßige und dröge Tracks auf „Heirlooms“. Tatsächlich ist es so, dass dieser Hörer bei allem prinzipiellen Gefallen an Ajus‘ bluesig funkigem House die eröffnenden Tracks des Albums lieber sofort ausschalten würde, so wenig fesseln sie, bzw. langweilen sogar. Ein solches Vorgehen würde einen davor bewahren, den billigen Electrofunk von „Ms. Reposado“ im weiteren Albumverlauf hören zu müssen. Allerdings würde es auch verhindern, das grandiose, hypnotisch stampfende Kunstwerk „To Be Free“ genießen zu dürfen und die zwei Hits des Albums zu erleben. Dies sind einerseits der Deep House „Away Away“ in all seiner hymnischen Energie und andererseits „You Gotta Know“ als Mischung aus hektischer Rhythmus-Kaskade und gelungener vokaler House-Satire. Auch den in „Ms. Reposado“ kritisierten Electrofunk vermag Barrite in „Caller #7“ deutlich gelungener umzusetzen.

Bevor das Album mit dem bezaubernden, zurückgenommenen, jedoch auch überlangen „Revealing“ endet, findet sich mit „Brown & Blue“ noch ein Track, der im Grunde als Kurzfassung des Albums gesehen werden kann. Zum einen ist es ein bouncender, musikalisch interessanter Brazil-House, gleichzeitig aber ist es eine träge und auf Dauer ganz schön ermüdende Nummer. Am Ende erfreut man sich aufgrund der Hits an Dave Ajus‘ „Heirlooms“, ist aber in all den unnötigen Phasen zwischendrin doch immer wieder versucht, nicht nur weiter zu skippen, sondern gleich ganz auszuschalten.

Advertisements