Actress – R.I.P.

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Es gibt Alben, bei denen fragt man sich, ob das, was man hört, wirklich das ist, wovon der Dateiname oder CD-Aufdruck behauptet, dass es sein soll. Manchmal ist solch eine Frage Ausdruck von positiver, ein andermal von negativer Überraschung. Allerseits hochgelobt, gehört Darren Cunninghams „R.I.P“, sein drittes Album als Actress, – leider – zur zweiten Kategorie.

Zwischen Dubstep und Glitch, zwischen minimaler experimenteller Electronica und treibend Clubtauglichem präsentiert Cunningham hier fünfzehn Tracks, die angeblich konzeptionell zwischen Tod, Leben, Schlaf und Religion pendeln sollen, die aber vor allem an vielen Stellen wie unausgeführte Ideenskizzen wirken. Wo dies in den eröffnenden, eher ambienten Stücken außerordentlich negativ auffällt, bleibt solch ein Eindruck aber auch im weiteren Verlauf der Platte erhalten. Zwischen monotonen Synthieloops und perkussivem Rauschen vermag nur eine Minderheit der Stücke Spannung zu erzeugen. So wartet der Hörer in „Tree Of Knowledge“ vier Minuten, dass sich aus den experimentellen Klangschichten noch irgendetwas entwickeln möge. Unter den ambienten, ruhigen Stücken überzeugen im Grunde allein das melodische „Raven“ in all seiner verrauschten Schönheit sowie das einfach enoeske „N.E.W.“.

Ambienter Minimalismus kann etwas sehr Schönes sein, in Cunninghams „R.I.P“ jedoch fehlt die nötige Spannung ebenso wie das nötige emotionale Ergreifen des Hörers. Die Mischung aus programmierten, zarten Störgeräuschen und freigespielten, sanft freejazzigen Piano-Linien in „Jardin“ könnte sich zu einem faszinierenden Ambient-Kunstwerk entfalten, versinkt aber nichtssagend und einschläfernd.

Es ist bedauerlich, dass so tatsächlich die eingängigsten Stücke zu Albumhighlights werden. Der verwirrend sich verzweigende Techno von „Serpent“, der an Clark gemahnt, gehört dazu ebenso wie die Bassgewalt von „Shadow From Tartarus“, deren Loops umfangen und verstören. Tatsächlich kann „Shadow“ als ein Meisterwerk innerhalb von ganz viel Enttäuschung gehört werden. Allerdings ist auch erwähntes „Raven“ eine echte Ohrenweide.

Im letzten Albumdrittel verliert Cunningham dann im Grunde endgültig den Faden. Zwar gehören die Tracks zu den überzeugenden auf „R.I.P.“, doch wirken sowohl der generische, burialeske Dubstep von „Caves Of Paradise“ wie auch der simple Techno-Hit „The Lord’s Graffiti“, als seien sie einfach an den Rest des Albums angeheftet worden. Immerhin vermag „IWAAD“ in all seiner treibenden, emotionalen Dichte als Albumabschluss den Bezug zum Rest des Albums wiederherzustellen.

Auch wenn manch einer Cunninghams Sounddesign auf „R.I.P.“ loben mag, so wirkt hier doch zu viel einfach unfertig, nicht ausproduziert. Es scheint als habe Actress irgendwann bei jedem Track gesagt, so jetzt reicht‘s, ab damit in den Ordner der fertigen Stücke. Auch der gesamte Albumverlauf wirkt manchmal wie eine wirre Zusammenstellung von Tracks. Zwar finden sich durchaus interessante Stücke auf „R.I.P.“, aber alles in allem bleibt eine tiefe Enttäuschung haften.

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