Tigran – A Fable

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Der Hang der Universal-Familie, ihre jungen Talente – seien es Pianisten oder Sänger in Klassik oder Jazz – als Posterboys und -mädchen zu inszenieren, muss kritisiert werden. Als jüngste Beispiele mögen die Deutsche Grammophon mit Francesco Tristanos „bachCage“ und Verve mit Tigran Hamsyans „a fable“ stehen.

Letzteren inszeniert das Cover als introvertierten, wuscheligen Pianobesetzer im trendigen The-Strokes-Outfit. Dieser vorderseitigen Coolness tritt die Rückseite des Booklets von „a fable“ entgegen: „Beim Aufgang war die Sonne hochmütig und dachte, sie sei Gott. Beim Sonnenuntergang sank die Sonne unter den Horizont und verstand ihre Essenz.“ (Mkhitar Gosh)

Dieses Zitat fasst die Stimmung des Albums zusammen. Eigene und fremde Kompositionen sowie Folklore seiner armenischen Herkunft verbindet Tigran zu einem latent melancholischen Pianoalbum, das, auf einem Jazzlabel erscheinend, klassische Klangwelten in poppiger Eingängigkeit präsentiert. „a fable“ ist ein Album,für das in all seiner vorhandenen technischen wie harmonischen Komplexität ein einziger Satz reicht, um es zu beschreiben: Es ist schön. Etwas ausführlicher formuliert beglückt „a fable“, lässt das Herz und die Augen strahlen. Es fasziniert, es rührt in all seiner Herrlichkeit vielleicht sogar zu Tränen.

Vom ersten Ton des tropfenden „Rain Shadow“ über die stürmische Intensität von „What The Waves Brought“ und „Samsara“, die Melancholität von „The Spinners“ und „Longing“ und die rhythmisch ergänzte Freude von „Carnaval“ bis zum Sturm und Schwermut vereinenden „Kakavik“ sowie zu den letzten Tönen des abschließenden „Mother, Where Are You?“ zieht das Album in seinen Bann, becirct. Tigran schafft es, dass das Klavier all seinen harmonischen, eingängigen, sofort verständlichen Zauber entfalten kann, ohne in einer Sekunde kitschig oder langweilig zu sein.

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