The Haxan Cloak – The Haxan Cloak

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Im Zusammenhang mit all den schlaffördernden (hypnagogischen), chillwavigen, behexten oder auch einfach nur dunkel-düsteren, latent gotischen Entwicklungen in der populären Musik der letzten zwei Jahre kam es zu einer erhöhten Produktivität – oder zumindest zu einer erhöhten Aufmerksamkeit – für Projekte, die mittels klassischer Instrumente, insbesondere Streichern, atmosphärisch dichte, in ihrer Klanggewalt erschreckende Songs erzeugten, wie sie eben am anderen, elektronischen Ende der Musikwelt auch durch experimentelle Sampletechniken von Künstlern wie Daniel Lopatin geschaffen werden. Anders formuliert erhielt in den letzten 24 Monaten die Minimal Music und die Neue Musik wieder vermehrt die Aufmerksamkeit der „Pop“-Konsumenten. Andererseits stellt beides, der Hang zum „hypnagogic Pop“ wie diese Verbindung klassischer Stilmittel in einem experimentellen Kontext, natürlich auch einfach eine Weiterführung der Musik dar, die zur Jahrtausendwende dank Alben wie Sigur Rós‘ „Ágætis byrjun“ oder „Lift Your Skinny Fists Like Antennas to Heaven“ von Godspeed You! Black Emperor die Menschen begeisterten. Dabei sticht The Haxan Cloaks selbstbetiteltes Debütalbum aus der Masse der hochklassigen Veröffentlichungen noch einmal heraus.

Vieles des Charmes des Albums liegt in Haxan Cloaks (aka Bobby Krlic‘) Nutzung des Cellos begründet, jenes Streichinstruments, das am besten in der Lage ist, bedrohliche Stimmungen zu erzeugen bei Aufrechterhaltung der nötigen Harmonie. Neben dem Cello nutzt das Album die zarteren Klänge der Violine, Schlagzeug, Feldaufnahmen und vielfältige perkussive Elemente, um ein Album zu schaffen, das ebenso sehr ein experimentelles Postrock-, ein ebensolches Electro- wie auch ein Neue-Musik-Publikum ansprechen sollte.

Die das Album eröffnende Schwere von trägem Cello, bedrohlich klickender Perkussion und sporadisch geschlagener Bassdrum in „Raven’s Lament“ weicht über weite Strecken einer eher zitternden Inszenierung. In dieser scheint es, als hätten die Saiten der Instrumente Angst vor der eigenen Melodie. Diese Schüchternheit erscheint begründet, wenn immer wieder das Drängen und die erwähnte Schwere dieses zart Zerbrechliche in die Ecke treiben. In gewissem Sinne sind diese tastenden Phasen (wie in „An Archaic Devie“ oder dem epischen „Disorder“) die faszinierendsten Momente der Platte. Wenn Krlic die Violine ganz sachte sich voran fühlen lässt und dabei die Klänge klar und doch unsicher erscheinen, verliert der Hörer sich in der Erkundung in den Klangräumen. Andererseits stehen diese klaren Momente aber im Gegensatz zu einem impliziten Dröhnen, einem immer wieder drohenden rhythmischen Chaos, dessen Intensität und dessen Direktheit schneller erfasst werden. Insgesamt zehrt also „The Haxan Cloak“ aus dem Neben-, Mit- und Gegeneinander des Sanften und des Schweren, das beides fast immer mitschwingt, so sehr Krlics Arrangements dröhnen und lärmen mögen oder so sehr Stille die Ohren einschließen mag. Wenn im abschließenden „Parting Chant“ dann kurzzeitig fast clubtaugliche Beats und weitgehend geisterhafter Gesang hinzukommen, überzeugt, erstaunt und begeistert das Album nicht nur, sondern stellt zudem die Frage, was um Himmels Willen auf dieses Debüt noch alles folgen soll.

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