Sepalcure – Sepalcure

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Zwar hat Travis Stewart als Machinedrum mit „Rooms“ dieses Jahr bereits ein Album veröffentlicht, aber eigentlich dürften die meisten mehr auf das Debütalbum von Sepalcure, seiner Kooperation mit Praveen Sharam (aka Braille), warten. Denn wo Machinedrum dem Projektnamen alle Ehre macht und eher härtere Beats anschlägt, versuchen sich Sharam und Stewart mit ihrem selbstbetitelten Sepalcure-Debüt in dem, was noch am ehesten als Sound des Jahres gelten kann: einem souligen Electroklang, der am einen Ende im Dubstep wurzelt und am anderen nicht zuletzt R’n’B in der DNS mit sich führt. Allerdings modifizieren sie diese Mischung in Richtung House.

In seiner harmonischen Soulfulness wie in seiner rhythmischen Vielseitigkeit und Effizienz erschließt sich „Sepalcure“ dem Hörer schnell. Dieser technischen Qualität der zehn Albumtracks steht in manchem Moment die unterkühlte Atmosphäre der Stücke entgegen. Statt einem warmen Soul wohnt den Stücken eine technisch kalte Seele inne, die, wenn nicht abstößt, so doch auf Abstand hält. Lässt man sich jedoch auf sie ein, erschließt sich eine rhythmisch akzentuierte Welt, die in manchem Moment eine faszinierende, unsichere Zerbrechlichkeit suggeriert. In anderen Momenten wiederum bremst dies nur die drängende Intensität, die von den in die Tracks eingebundenen Elementen von Rave und Chicagos neuestem Kind namens Juke ausgeht.

Von „Me“ über „Pencil Pimp“ bis „Eternally Yrs“ dominiert die kalte Melancholie, selbst wenn „The One“ in Phasen ravig-intensiver erklingt, und in „Eternally Yrs“ hektisch blubbernde House-Triolen unter der sanften Oberfläche pulsieren. Besonders „See Me Feel“ ist in seiner zärtlichen Poppigkeit erwähnenswert. Der zwiespältig energetische Charakter von „Eternally Yrs“ setzt sich im Future-HipHop von „Yuh Nuh See“ fort, bevor „Breezin“ endgültig den Beats freie Hand lässt. Das Albumhighlight bildet aber schließlich „Carrot Man“. Das Stück ist zudem charakteristisch für Sepalcures Verschränkung verschiedener Geschwindigkeiten und das von ihnen hier produzierte Ineinandergreifen von gebremst-verzerrten R’n’B-Vocals und treibenden, gebrochenen Rhythmen.

Während sich die technische Perfektion von Sepalcure sofort offenbart, braucht es ein wenig Arbeit zu erkennen, wie faszinierend und vielteilig die Tracks ihres Debüts sind. Zwischen Dubstep und House, zwischen Soul und Chillwave entfaltet „Sepalcure“ seine Wirkung. Je nach Vorliebe des Hörers nimmt man eher den einen Charakter oder den anderen wahr, und auf jeder dieser Spielwiesen überzeugt das Album.

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