Ketil Bjørnstad, Svante Henryson – Night Song

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Ketil Bjørnstads und Svante Henrysons „Night Song“ ist vordergründig (wie manch anderes auf ECM erscheinendes Album) ziemlich langweilig – im Gegensatz zu den nach außen hin „anstrengenden“ Alben auf ECM. Bei genauerer Betrachtung entfalten die Stücke des Pianisten Bjørnstad und des Cellisten Henryson einen tiefen Zauber – wie eigentlich die Regel bei ECM-Veröffentlichungen.

Das Album erklingt vom ersten Moment an in einer seltenen Einfachheit. Die Töne wirken wie freigestellt vor weißem Hintergrund. Jeder Klang ist erkennbar und in gewissem Sinne geht dies sogar soweit, dass man nächste Töne erahnen kann. Die Stücke haben ein Gedächtnis. In dieser Einfachheit, in diesem direkten Erkennen liegt die Magie dieser langsamen, fast träge sich entfaltenden Stücke. In de facto winterlicher Klarheit erklingen hier Melodien wie aus dem kollektiven Bewusstsein. Cello und Piano vereinen sich in purer Klarheit, reiner Schönheit, um in Harmonie den Hörer gefangen zu nehmen.

So einfach dies ist, so leicht verfällt man dem Wohlklang – oder empfindet ihn vordergründig als langweilig. Die scheinbare Simplizität entspringt Bjørnstads Vorliebe für Franz Schubert. Dessen lineare Melodie- und Harmonieführung sei für Bjørnstad, so die Linernotes, fast eine Obsession. Bjørnstad empfindet Schubert als existenzialistisch staunend, emotional leidenschaftlich und fast naiv offenherzig. So ist es denn das Bestreben von „Night Song“, in einen zeitlosen Dialog mit Schubert zu treten und dessen einfache, konkrete und höchst gefühlvoll intensive Musik im Hier und Jetzt zu spiegeln. Dies macht „Night Song“ zu einer solch wunderbaren Platte.

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