Julia Holter – Tragedy

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Julia Holters erstes Album „Tragedy“ – der Nachfolger soll im März 2012 unter dem Namen „Ekstasis“ erscheinen – ist eine seltsame Angelegenheit. Zwischen artifizieller Klangerkundung und poppiger Harmonie entfaltet sich nicht – wie zu erwarten wäre – eine vor allem technisch interessante Klangwelt, sondern eine Emotionalität, die den Hörer fasst und welche die scheinbar widerstrebenden Partner Künstlichkeit und Eingängigkeit in einer geschlossenen und packenden Platte vereint.

„Tragedy“ besteht im Grunde vor allem aus der Aneinanderreihung stilistisch disparater Stücke sowie der Verbindung vielfältiger Stilmittel in einzelnen Stücken. Beispielhaft für letzteres sind pure Stille, bloße Streicher, rein-verletzlich Vokales, an Free-Jazz gemahnende Instrumentalpassagen, Synth-Poppiges, Ambientes, Pianopop und verhallt Kammermusikalisches in „Celebration“. Julia Holter vermag es, all dieses linear hintereinander zu reihen und dennoch ein in sich überzeugendes Stück Musik zu schaffen.

Wo dies sich in der „Introduction“ bereits ankündigt, in der in ihren Bann ziehenden ouvertürenhaften Vereinigung von zartem Klingeln, Nebelhorn, Opernaufnahme und analog filmischer Soundtrackspur, überrascht es dennoch, wie sich im Folgenden experimentelle, aber eingängige Indie-Entwürfe mit ambient-zärtlichem Dröhnen verbindet („Try To Make Yourself A Work Of Art“), bedrohliches Dröhnen mit Streicherwohlklang und -dissonanz interagiert („The Falling Age“) oder sich einfacher Electro-Pop in das Album einschleicht („Goddess Eyes“). Das „Interlude“ bietet dann kirchliche Orgelklänge, um erwähnte „Celebration“ vorzubereiten. Dagegen bietet „So Lilies“ eigentlich nur hörspielhafte Vokalaufnahmen, unter die sich nur vereinzelt Holzbläser schleichen, bevor gen Mitte der sieben Minuten sich langsam ein hüpfend-verspielter Electronica-Track entfaltet. Ambienter Drone-Pop in Verbindung mit filmischem Score und der Dissonanz von gegeneinander laufenden Harmonien beendet dann im verzaubernden „Tragedy Finale“ das Album.

Eigentlich kann Julia Holters Album nicht funktionieren. Real aber entsteht eines der faszinierendsten Alben des Jahres, dessen Expressivität in gewisser Weise sogar ziemlich einzigartig sein mag.

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