Joker – The Vision

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In diesem Jahr, wo Dubstep als Zustandsbeschreibung für alles zwischen Katie B., Jamie Woon, James Blake, Cosmin TRG, Sepalcure und Scuba verwendet wurde, präsentiert nun auch Joker sein erstes echtes Album. „The Vision“ trägt dabei seiner vielfältigen Beschäftigung zwischen Simian Mobile Disco, Roni Size und Basement Jazz Rechnung, gelingt als poppige Vision des UK-Garage zwischen Grime, Pop, Soul, Triphop und eben Dubstep. Wo Postdubstep und Bassmusik eben alles sein kann, lässt sich Jokers Album doch am ehesten mit Pop, R’n‘B und Rap vergleichen und steht eher in der Nähe von Tinie Tempah und Katie B. denn von Kode9 oder Scuba.

So verbindet Joker auf „The Vision“ die wummernde, wackelnde, tiefe Gewalt von Bass und Beat mit den Vocals eines britischen Pop’n’Rap-R’n’B. Während dabei die Beats zumeist den nötigen Charme besitzen und die Waage zwischen Club und Pop halten, sind es Raps und Gesang, die zum Teil recht schnell langweilen. Beispielhaft mag gleich zu Beginn „Slaughter House“ genannt werden, in dem Silas Lyrics so gelangweilt und losgelöst vom Track erklingen wie in der schlechtest vorstellbaren Timbaland-Produktion der letzten Jahre. Nachfolgend reihen sich diverse Versionen des poppigen UK-Garage aneinander und geben sich einmal als zeitgemäßer Grime-Pop inklusive Kinderchor („Lost“), als altmodischer Grime wie in „Back In The Days“ oder als UK-Soul („Electric Sea“). Jessie Wares Vocals wiederum verströmen die nötige Intensität, um den Beats des Titeltracks einen Mehrwert beizufügen, und auch „On My Mind“ gelingt als bouncender Soulstep-Hit, der sich durch einen cineastischen Hochglanz auszeichnet.

Die wenigen rein instrumentalen Tracks funktionieren als einerseits träge treibende und wackelnde Nummer („Tron”) sowie als perlender Beat-Schaumwein („Milky Way“). Das dritte Instrumental „My Trance Girl“ zeigt eines der Probleme der Produktionen von Joker auf. So sehr sie gefallen, so sehr klingen sie doch vertraut und in gewissem Maße herkömmlich. Hier verbindet er im Grunde Daft Punk’schen French Electro mit Dubstep-Ästhetik.

„The Vision“ will Pop sein und ist es. In diesem offenen Willen gelingt es durchaus gut, bleibt jedoch deutlich hinter Jamie Woons „Mirrorwriting“ zurück. In den mit Vocals versehenen Stücken ist es fast – aber nicht ganz – so zwiespältig wie Katy B.s „On A Mission“, wo dort einmal Licht auf zweimal Schatten trifft, ist hier die Quote ungefähr zwei zu eins. Tatsächlich kann man dem Album seine Pop-Orientierung nicht vorwerfen, es gelingt als gefälliges Album. Unspektakulär, aber gut.

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