Dillon – This Silence Kills

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Irgendwann in den letzten Jahren konnte man für einen Augenblick den Eindruck bekommen, der sichere nächste Hype sei Dominique Dillon de Byington (kurz Dillon). Dann war es still und man vergaß, für welches Genre sie eigentlich als Hoffnungsträgerin galt. War es Indiepop, war es Rave? Ohne weitere Recherche suggerierte die Ankündigung ihres Debütalbums „This Silence Kills“ auf Bpitch Control, dass es eher elektronisch geartet sein würde. Vor allem zu Beginn und zum Ende der Platte bestätigt Dillon diese Erwartung. Bedrohlich düster schwirrend und von vielseitiger elektronischer wie instrumentaler Perkussion unterlegt eröffnet der Titelsong die Platte und „Abrupt Clarity“ schmeißt uns technoid stampfend und begeisternd hinaus. Dazwischen aber präsentiert Dillon sich – zum Teil unterstützt von Stellas Thies Mynther (auch z.B. Phantom/Ghost) und MITs Tamer Fahri Özgönenc – als Singer/Songwriter, die zwar am Electro geschnuppert hat, aber doch vor allem versucht, Joanna Newsom nachzueifern.

Der Versuch, Joanna als Vorbild zu nehmen und sich bei ihr etwas abzulauschen, sollte zumeist als negatives Argument gelten. Allerdings schaffen Tamer, Thies und Dillon aus diesem Ansatz ein ungemein gelungenes, vielschichtiges, musikalisch perfekt und perfektionistisch umgesetztes Album. Am Ende dann erscheint es gar als bisher nicht unbedingt zu findende Verbindung zwischen Fever Ray und Joanna Newsom, als Missing Link sozusagen. „This Silence Kills“ ist in dreierlei Hinsicht fehlerfrei. Einerseits verzaubert Dillons Gesang von ganz allein, zum anderen unterstützen die Kompositionen diese selige Euphorie, seien sie von ihr allein oder mit Jens Lekman, Tamer oder Thies entstanden. Zum dritten aber, und das ist vielleicht die größte Qualität des Albums, glänzt die Produktion in einer fehlerlosen Klarheit, wie man sie eher vom Hochglanzpop gewohnt sein dürfte, der aber, was im HD-Pop eher selten ist, auch die nötige Wärme innewohnt.

Dillons Songs glänzen im charmanten Spagat zwischen euphorisch und melancholisch, sie drücken jenen Frohsinn aus, dem man beim zweiten Blick nicht traut, dem man sich dennoch hingibt. Die Stücke vertonen ein zweifelndes Glück. „This Silence Kills“ berauscht, ohne die Realität des Hörers zu überblenden. Allein die erste Albumhälfte reicht, um vollkommen in diesem Album zu versinken, von „Tip Tapping“ bis „You Are My Winter“ dominiert solch leicht melancholischer, aber vor allem harmonischer Wohlklang, dass die Dunkelheit von „The Undying Need To Scream“ und die es beendende, elektronische, schreiende Disharmonie als willkommener Weckruf erklingt. Hier und auch im nachfolgenden „_______________“ tritt stärker erwähnte Brücke von Newsom zu Fever Ray auf. Aber das Gefühlstrunkene der ersten Albumhälfte erklingt auch in der etwas zurückgenommenen zweiten Seite der Platte, wobei es hier – zum Beispiel in „Texture Of My Blood“ – stärker von einer mehr oder weniger offenkundigen Melancholie durchdrungen wird. Diese bestimmt zum Beispiel die „Gumache“. Am Ende ist es müßig, auf „This Silence Kills“ besondere Höhepunkte auszumachen, so grandios ist Dillons Debütalbum. Man versinkt in der Platte und wenn am Ende die Verbindung von Aufgang’scher Ästhetik und Dillons Gesang in „Abrupt Clarity“ einen aufweckt, ist es tatsächlich wie eine erschreckende Erweckung aus Hypnose. Das Ende mag überraschen, ist aber doch nur das konsequente Ende einer erstaunlichen Platte.

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