Xhin – Sword

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Die Ankündigung von Xhins Albumdebüt auf Stroboscopic Artefacts sorgte für eine Menge Vorfreude. Nicht nur hatte Stroboscopic Artefacts mit Lucys „Wordplay For Working Bees“ dieses Jahr schon ein beeindruckendes Album veröffentlicht, sondern auch die auf Soundcloud präsentierten Tracks und Sets des Singapurers Xhin faszinierten.

Nun ist „Sword“ also da und es ist eine sonderbare Angelegenheit. „Seltsam“ heißt dabei jedoch in keinster Weise schlecht, ganz im Gegenteil. Vielmehr verwirren Konstruktion und Wirkung der Albumtracks. Dies gilt weniger für „The Secret Closet“, „Wood“ und „This Is What You Drew While You Were Half Asleep“, welches eisig-zittrige, atmosphärische Ambient-Tracks sind, sondern vielmehr für das tonale Chaos, welches die Mehrzahl der Albumnummern bestimmt. Die Essenz dieser Unordnung mag sich in „Insides“ finden, dessen zart neu-musikalischer Klang zudem als Brücke zwischen erwähntem arktischem Ambiente und der allgemeinen Aggression der Tracks wirkt. Wo „Insides“ das Durcheinander in stiller Disharmonie präsentiert, erklingt es in „Fox And Wolves“ als beispiellos wirres Knäuel elektronischer Beats. Die klopfende, rhythmische Konfusion wird in „Teeth“ ergänzt durch unmotiviert querlaufend schrille Melodiefragmente. Die Aufruhr und die rhythmischen Ausschreitungen, die Xhin auf seinem Album vornehmlich in Szene setzt, verströmen zumeist eine verdiente dunkle Bedrohung. Das düster-gefährlich Chaotische in Xhins elektronischer Welt tritt am meisten im rauschenden Dub von „Vent“ zum Vorschein. Ein Track wie „You Against Yourself“ wiederum verbindet dies mit Assoziationen an robotische Bewegungsabläufe, wobei Robotik sich sowohl auf die Schaffung von elektronisch gesteuerten Produktionsmaschinen wie auch von Maschinenmenschen bezieht. Dabei fehlt der Xhin’schen Roboterklangkulisse das Verspielte der vergleichbaren Inszenierung durch Kraftwerk.

Xhins „Sword“ ist zuvorderst pures rhythmisches, klingendes Chaos. Als solches sollte es normalerweise vielleicht eine interessante Klangerfahrung sein, aber eigentlich dürften weder die Tracks als Tracks noch das Album als Album wirklich funktionieren. Doch genau dies tut „Sword“. Es zieht in all seiner vordergründigen Regellosigkeit, seiner labyrinthischen Konfusion in seinen Bann und begeistert. Pure Abstraktion des Schalls entwickelt sich zu einem faszinierenden Klangkunstwerk.

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