Various – The Wurst Music Ever

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Aus einer ostatlantischen Perspektive muss man den Humor der westatlantischen Wurst Music Co. weder verstehen noch gutheißen. Somit ist von einer Compilation namens „The Wurst Music Ever“ im Grunde auch nichts zu erwarten außer platten Witzlosigkeiten Marke Mario Barth. Wenn die Erwartungen soweit herunter geschraubt sind, erscheint der Inhalt des Wurst-Käse-Szenarios, das Roy Dank hier präsentiert, wie eine Offenbarung. Die Qualität der Sammlung aus dem Hause Wurst erstaunt noch aus einem weiteren Grund, entspringen die Tracks doch einer zwischen Disco und House angesiedelten Dancemusik, die zwar eingängig und nett sein kann, jedoch nicht zwangsweise begeistern muss. Die Tracks auf „Wurst Music“ jedoch zehren von einem sofort packenden Funk und ungemein warmem Soul.

So reißen einen bereits die ersten Töne, das Aufsteigen der Bläser, der diskoide Rhythmus und die funkigen Harmonien des eröffnenden Midnight Magic Covers von Native Underground aus dem Schlaf, lassen die Füße wippen und einen all die bösen Vorahnungen vergessen. Von da an gibt es kein Abwärts mehr und die Compilation geht ihren wohlgeformten Weg von discoid-Souligem über instrumental-Filmisches hin zu all den vielfältigen Housespielarten. Dabei präsentieren Labelmacher Roy Dank und seine Künstler schmutzige Körperlichkeit in Pink Stallones „Help Yourself“ ebenso wie cheesy-unterkühlte Hypersexualisierung in Chicago Damns „Romcom“, aber auch faszinierender Vocoder-Electro-Pop findet sich in „Soular Power“ von Ulysses. „Tase The Wizard“ wiederum fasziniert vielschichtig instrumental und hektisch flimmernd, während „That’s The Thing (To Do)“ House in seiner besten Version zeigt und beschwingt voranhüpft.

Während sich mit „I Can’t Help It“ von Miracle Club dann doch noch ein etwas schwächerer, weil ziemlich anspruchsloser und klassisch schnell vergessener Track einschleicht und erwähnte Chicago-Damn-Nummer doch irgendwie ein bisschen peinlich ist (aber gut), zeichnen Tiago und Name In Lights für die bei aller Qualität der „Wurst Music“ nochmal hervorstechende Phase der Platte verantwortlich. Beide präsentieren einen quasi-instrumentalen Magnum-Soundtrack-Funk, der in seiner vorantreibenden Intensität zwischen karibischem Dahincruisen und tropischer Verfolgungsjagd zu Lande, zu Wasser und in der Luft changiert. Tiagos stampfende Drums betonen dabei mehr die Actionszenen und Name In Lights‘ „Ur Oskunni“ eher das Cruisen.

Am Ende ist der schlechtest anzunehmende Fall nicht nur ausgeblieben, sondern „The Wurst Music Ever“ entpuppt sich sogar als eine wahnsinnig unterhaltsame und musikalisch hochwertige Compilation. Wenn jetzt noch der Name des Labels geändert wird, steht einem unmissverständlichen Gefallen nichts mehr im Weg.

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