Various – Soma Records – 20 Years

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Es erscheint, als sei 2011 das Jahr der Label-Rückschauen. Zudem drängt sich auch der Eindruck auf, all diese subjektiven und selbstzentrierten Rückschauen seien zwar irgendwie gut, aber begeistern täte keine so wirklich. Diese Tendenz setzen auch Stuart McMillan und Orde Meikle mit ihren Mitstreitern Glenn Gibbons und Dave Clarke, beziehungsweise ihr gemeinsames Label Soma Quality Recordings (oder kurz Soma Records), fort, wenn sie zwanzig Jahre Labelgeschichte rekapitulieren. Allein der Umfang der 20-Jahres-Compilation raubt zwar schon den Atem, aber die Glaswegians von Soma wissen sicherlich selber, dass schiere Menge noch keine Qualität macht.

Natürlich sind die beiden DJ-Mix-CDs von einerseits Slam und andererseits Silicone Soul über jeden Zweifel erhaben. Slam liefern einen ungemein atmosphärischen Mix, der dennoch (zum Beispiel in ihrem eigenen Track „Human“) treibend voranschreitet. Vor allem ziehen sie mit dieser CD den Blick auf sich und die elektronische Musik im Hier und Jetzt. Aus diesem zweiten Teil der Compilation sticht Vector Lovers „Computrfnk“ im Sebrok‘s Funk You Remix heraus, der seinen Charakter gleich doppelt im Namen trägt: den Funk. Dieser prägt auch die gesamte Dreifach-CD. Silicone Soul wiederum – also Grame Reedie und Craig Morrison – blicken mit ihrem Mix nicht auf das zurück, was sie als DJs, sondern auf das, was sie als Tänzer, als Jünger der Tanzmusik bewegt hat. Dies sorgt dafür, dass ihre Mischung tatsächlich von Beginn an packt.

Da diese Blicke auf Soma Records natürlich nicht unabhängig sind, findet sich manches in beiden Mixen und auch auf der ersten CD der Compilation. Diese Sammlung von Klassikern des Labels steht eigentlich im Zentrum der Rückschau. Tatsächlich kommen weder Silicone Soul selber noch Slam, noch die Verantwortlichen für die „Soma Classics“ daran vorbei, Silicone Souls „Right On, Right On“ zu präsentieren. Natürlich ist dessen Qualität so überragend in seinem perkussiven Funk, seinem treibenden Arrangement, dass diese dreifache Nutzung seinen überragenden Charakter nur betont. Ansonsten jedoch sind die „Soma Classics“ vielleicht der schwächste der drei Teile der Sammlung, bestimmen jedoch den Gesamteindruck. Natürlich ist „Mothership Reconnection“ von Scott Grooves (feat. Parliament/Funkadelic) ein Hit – umso mehr, wenn der Remix von Daft Punk genutzt wird – und auch sonst sind die präsentierten Stücke nicht nur Soma-Klassiker, aber das Feuer, das Silicone Soul und Daft Punk hier zu Beginn zünden, erlischt relativ schnell. Dieser erste Teil der „Soma Records – 20 Years“ wirkt zusammengestückelt und wirklich als bloße Sammlung. Es scheint, als solle mit stolzgeschwellter Brust gezeigt werden: schaut her, was haben wir nicht alles Tolles in unserem Labelkatalog. Natürlich ist „Cost II“ von The Black Dog eine Nummer, die als Beispiel einer ganzen Epoche gelten kann, und „Clashback“ von Sharkimaxx kann als „Übernummer“ gesehen werden, aber es erscheint kaum vorstellbar, dass jemand diese CD in dieser Reihenfolge und dieser Mischung mehr als einmal hört.

So sehr der erste Teil der Geburtstagsfeier von Soma Records zwiegespalten hinterlässt, so sehr überzeugen doch dessen Fortsetzungen. So bleibt wirklich nur festzuhalten, dass auch diese Label-Rückschau zwar gut ist, aber nicht nur nicht ekstatische Begeisterung auslöst, sondern sogar nicht einmal restlos überzeugt.

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