Various compiled by bvdub and Andrew Thomas – Air Texture Volume 1

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Eine Compilation ambienter Musik leidet grundsätzlich unter zwei Problemen: dem der Compilation an sich, einem Mangel an innerem Zusammenhalt, und dem der ambienten Musik, einer potentiellen Langeweile, der Gefahr eines Mangels an Spannung. So wohnt auch Air Textures Sammlung „Air Texture Volume 1“ immer die Gefahr inne, vor allem Fahrstuhlmusik zu sein. Es ist der Verdienst von bvdub und Andrew Thomas, dass keine ihrer beiden CDs dieser Tücke erliegt.

Ambiente Tracks in der zeitgenössischen Musik entstammen vor allem dem Grenzbereich von Dreampop, Shoegaze und Electronica. Ambiente Elemente, das sind musikalische Einzelteile, die vor allem umgebend wirken, sind dabei in fast jeder Spielart elektronischer Tanzmusik immer wieder zu finden. Insofern trifft es durchaus zu, gegenwärtigen Ambient vor allem als unstrukturierte elektronische Musik aufzufassen, als Electronica ohne das leitende Element des Beats, des Rhythmus. „Air Texture“ präsentiert damit weitgehend Musik ohne Takt bestehend aus klingenden Flächen.

Der erste Teil dieser Doppel-CD, für den bvdub verantwortlich zeichnet, erstaunt in seiner vollständigen Homogenität. Das heißt, vor allem im ersten Teil klingen die Stücke wirklich weitgehend gleich. Seien es Rafael Anton Irissari, Let’s Go Outside oder bvdub selber, seien es Orla Wren oder Maps And Diagrams, die Klangteppiche gehen über in eine einzige auditive Umkleidung des Hörers. Erst im weiteren Verlauf erklingen mit den zarten Gitarrentönen von Hessien und der vielschichtig aufstrebenden Herrlichkeit in „Ollo“ von Konntinent und Ian Hawgood eigenständigere Stücke. Erstaunlich ist, dass dies nicht negativ sondern vielmehr ungemein beruhigend wirkt und becirct. Das gleichbleibende Klangbild umfängt und beglückt. Insbesondere die Klavierschönheit von Arc Of Doves „I Remember When“ ist eine wahre musikalische Perle, deren Harmonie über die CD hinaus in die Welt ausstrahlt.

Andrew Thomas widmet sich im zweiten Teil der „Air Textures“ einer eisigeren oder einer mehr körperlich beanspruchenden Welt, von der aber weder grundsätzlicher Klang noch Intensität und Gefallen sich von bvdubs Hälfte groß unterscheiden. Nur der Grundcharakter – warm bei bvdub, kalt und bedrohlich bei Thomas – verdeutlichen die ungleichen Ansätze beider CDs. Thomas verlässt dann tatsächlich auch die Welt des Taktfreien, wenn Markus Guentner „Senses“ fast schon clubbig – im Kontext der „Air Textures“ – vorantreibt.

So gelungen „Air Textures Volume 1“ die Welt des luftigen und doch atmosphärisch intensiven Ambient darstellt, so am Ende wenig zwingend ist das Konzept einer Ambient-Compilation und seine Umsetzung. Schön und gut, wie die Doppel-CD erklingt, ist sie am Ende vor allem ohne wirklichen Zweck, außer man bedarf reiner klingender Schönheit oder einer Referenz-Platte für anspruchsvolle rein umgebende Musik.

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