Tiefschwarz – Watergate 09

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Nachdem Lee Curtiss die achte Ausgabe zusammenstellte, hat das Berliner Watergate für die neunte Inkarnation seiner selbstbetitelten Compilationreihe die Stuttgarter Geschwister Schwarz aka Tiefschwarz gewonnen. Wenn man mit dem Tiefschwarzen House und Techhouse nur wenig vertraut ist, lässt sich von „Watergate 09“ die auf CD gebannte Version einer Clubnight des öffentlich-rechtlichen Jugendradios erwarten. Allerdings…

Tatsächlich findet sich im späteren Verlauf genau dieses wieder. Bevor jedoch clubtauglicher, funktionaler House und Vocalhouse die Kontrolle übernehmen, begrüßen die Schwarzs den Hörer zunächst einmal überraschend. Nicht nur, dass Nicolas Jaars Remix für „Fall Forever“ von When Saints Go Machine eine musikalische Offenbarung ist, deren harmonische und melodische Tiefe verzaubert und mit offenen Ohren, Augen und Mund gebannt hören lässt, auch John Roberts Hit „Lesser“ schließt sich ohne Bruch vollkommen organisch an. Der Beginn der „Watergate 09“ ist vielleicht die beste Eröffnung einer Mix-CD seit … nein, jemals. Sowohl „Lesser“ als auch nachfolgend Deadbeats „House Of Vampires“ besitzen einen ungemein warmen und tiefen Beat voller Wohlklang. Da kann der vokale House von Julio Bashmore und Javeon McCarthys „Father Father“ nicht wirklich mithalten, selbst wenn unter seiner poppigen Eingängigkeit der Beat manch eine verborgende Qualität besitzt. Für Vocalhousefreunde ist Frankie Knuckles „Baby Wants To Ride“ natürlich fast schon ein mythischer Track, dessen Energie sich schwer entziehen lässt, selbst wenn man sich mit diesem Sound sonst weniger anfreunden kann. Aber das ist im Verlauf der „Watergate 09“ tatsächlich das Problem. So soulig und doch funktional die Tracks sein mögen – bestes Beispiel ist Jay Hazes Edit für MKs „Burning“ – es verbleibt subjektiv häufig der gewisse eklige Kitschfaktor der House- und Black-Music-Großraumdiskotheken-Atmosphäre. Je technoider das ist, desto weniger stört dies prinzipiell, und es fällt fast überhaupt nicht auf in Geminis „Where Do I Go“. Andererseits möchte man die „Watergate 09“ zu Tiefschwarz‘ eigenem „Corporate Butcher“ am liebsten ausschalten.

Tiefschwarz versammeln zahlreiche Klassiker des gesangsverzierten House sowie jüngere Meister des Genres. Frankie Knuckles, Kevin Saunderson und Masters At Work als Remixer reichen Jaar, Aguayo und Roberts die Klinke in die Hand. Während die ersten Momente der Compilation begeistern und sprachlos hinterlassen, schleicht sich recht schnell eine vocalhousige Monotonie, ein Gleichklang ein, die beide auch von der prinzipiellen Qualität der Künstlernamen und der Tracks nicht ausgeräumt werden. So verbleibt am Ende ein sehr fader Beigeschmack und die drängende Frage, was aus diesem Mix hätte werden können.

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