The Brandt Brauer Frick Ensemble – Mr Machine

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Klassische Instrumente werden zum Tanzen gebracht. Aufgang (um Francesco Tristano), Bugge Wesseltoft & Henrik Schwarz, Hauschka oder Brandt Brauer Frick, alle bemühen sich über den Weg der Rhythmik, Techno und Klassik zusammenzubringen. Zumeist gelingt es erstaunlich gut. Brandt Brauer Frick machen nun einen evolutionären Schritt und werden zu The Brandt Brauer Frick Ensemble. Nach dem Debütalbum „You Make Me Real“, das klassisch am Computer entstand, folgt nun „Mr. Machine“ mit „Violine, Cello, Harfe, Klavier, Posaune, Tuba, Pauke, Marimba, Vibraphon … und einem Moog“.

Selbst wenn vier der Stücke auf „Mr. Machine“ Ensemble-Versionen von Stücken der „You Make Me Real“-Platte sind, handelt es sich in dieser multi-instrumentalen Form um weitgehend neue Tracks. Gleiches gilt für Emikas „Pretend“, das sich mit ihr als Gesangsgast hier ebenfalls in Ensemble-Form wiederfindet. Nicht nur dank Emikas Vocals gelingt dies als einer der Höhepunkte des Albums. Es ist erstaunlich, welche Intensität, welche rhythmische Spannung und welche harmonische Perfektion hier Streicher, Piano, Pauke und Percussion erzeugen. Das tastende Beginnen des Titeltracks des Vorgängeralbums wiederum gelingt in seiner Polyrhythmik in der multi-instrumentalen Variante allerdings nicht vollständig. Erst wenn der latente Groove einsetzt, überzeugt das Stück. Ähnliches gilt für die Neufassung von „Mi Corazon“, allerdings interagieren die Instrumente hier dermaßen faszinierend, dass über anderweitige Schwächen des Tracks hinweggesehen werden kann. Leichte Mängel finden sich auch im etwas herkömmlich experimentell-poppigen „On Powdered Ground (Mixed Lines)“, das aber in Phasen auch ausgesprochen faszinierende Interaktionen der rhythmischen Mittel zeigt.

Die Vielfalt des Ensemble-Ansatzes ermöglicht es dem Brandt Brauer Frick Ensemble mit der Neuinterpretation von „Bop“ – ebenfalls von „You Make Me Real“ –, manch ein Stück von Tristano, Aufgang oder Hauschka zu übertreffen. Während dort das modifizierte Piano für alle Effekte allein verantwortlich ist oder mit Schlagzeug, Computer und Synthesizer interagiert, erlangt „Bop“ im Wechselspiel von Streichern, Piano, Percussion und Schlagzeug eine ganz eigene Klasse.

Auch wenn der Schritt von Brandt Brauer Frick zum Ensemble oben als evolutionär bezeichnet wird und das Album viele beeindruckende Momente besitzt, ist es doch in keiner Weise revolutionär. Im Gegenteil wirkt manches sogar etwas unmotiviert. Anderes zeigt, dass die Verbindung von klassischen Instrumenten und technoider Rhythmik besonderer Sorgfalt bedarf, um eigenständig zu klingen, was hier nicht im nötigen Maß befolgt wurde. Nichtsdestotrotz ist „Mr. Machine“ eine lohnende, eine faszinierende Platte voller Spannung, Intensität und Energie.

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