Rustie – Glass Swords

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Unter den Kindern des digitalen Zeitalters – also jenen, denen die Musiksoftware und ein Myspace-Account schon in die Wiege gelegt wurden – gehört Rustie ganz offenbar zu den talentiertesten. Sein Debütalbum „Glass Swords“ erscheint passenderweise auf Warp, auch wenn es vermutlich ebenso gut bei Ninja Tune aufgehoben wäre. Zwischen in die Zukunft weisendem Rock’n’Rave, wackeligen HipHop-Beats und de facto Dubstep-Bässen entwickelt sich ein außergewöhnlich vielseitiges Album, das erfrischt und weder Kitsch und großen Gesten ausweicht, noch Futurismus gegen Hörbarkeit aufrechnet.

Im Endeffekt ist es unmöglich, Rusties Tracks auf „Glass Swords“ einem oder auch nur einer Schnittmenge von Genres zuzuordnen. Von 8-Bit-Spielereien, komplexeren Videospielsounds und Synth-Rock-Eskapaden über 80er-Jahre-Fernsehwerbemusik, technoide Beats und Garage-Tunes bis hin zu trancigem Dance-Pop und sphärischen Prog-Elementen findet sich zwischen Titeltrack und abschließendem „Crystal Echo“ alles neben-, aber vor allem durcheinander. Tatsächlich dominiert das klangliche Rührei, was in Rusties Händen jedoch nicht zu Lasten der Hörbarkeit geht. Die einzige Nebenwirkung von solcher Vielfalt ist eine beglückte Erschöpfung.

So fällt es nicht nur schwer, die einzelnen Stücke zu fassen, sondern auch, unter ihnen Höhepunkte herauszustellen. Ist nun die Verbindung von rollenden Drums und klassischen Dance-Synthesizern mehr erwähnenswert („Death Mountain“) oder sollte doch eher die Mischung von an Burial erinnernden Vokalsamples und Trance-Elementen gewürdigt werden („Cry Flames“)? Wie dem auch sei, bei Rustie klingt selbst Electro-Rave-R’n’B („All Nite“) und elektronisch verbrämter Popfunk („Hover Traps“) unpeinlich und beide wissen sogar zu begeistern. Erwähnt werden muss jedoch das grandiose HipHop-Beat-Monster „City Star“. Rusties vielfältige Visionen eines zukünftigen Pops bilden dann den nicht weniger guten, aber etwas weniger auffälligen Rahmen.

Rusties „Glass Swords“ zielt ganz klar auf ein Publikum, das sich nach ekstatischer Verausgabung im Rahmen eines Raves sehnt, das zudem aber auch offen ist für neue Ideen und die Einbindung alter Klänge. Beides – Neues und Altes – sollte aber vermutlich gewisse Geschmacksgrenzen nicht verletzen, es sollte sicher nicht billig sein, es darf aber vermutlich außerdem nicht zu experimentell sein, sondern muss immer der Funktion der körperlichen Verausgabung und kurzfristigen seelischen Beglückung dienen. Diese Kriterien erfüllt Rusties Debüt-Album nahezu perfekt.

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