Notic Nastic – Fullscreen

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Electro mit implizit oder explizit linker Botschaft ist in gewissem Sinne ein Markenzeichen von T.Raumschmieres Label Shitkatapult. Andererseits ist Shitkatapult einer der führenden – letzten – Vertreter dessen, was sich als Electroclash und Electropunk anschickte, die Musik zu revolutionieren. Somit passen Notic Nastic perfekt ins Portfolio. Mit ihrem zweiten Album streben sie nach der vollen Aufmerksamkeit, „Fullscreen“ will sich nicht mehr mit dem Rand zufrieden geben.

Die Berlin-New-Yorker Kollaboration NN rempelt sich auf ihrem Zweitling einmal quer durch den Electro- und Pop-Kosmos, klingt einmal mehr nach Die Antwoord, mal nach Zola Jesus, dann aber nach Stella oder nach Little Boots und gelegentlich sogar nach poppigen Atari Teenage Riot. In Momenten entstehen so große Pophits. Das Paradebeispiel ist „Illuminati Bitch“, das zudem den gesellschaftlichen Freiheitsgedanken der Lyrics am besten repräsentiert. Andernorts jedoch nerven oder langweilen die Electro-Eskapaden der Band gehörig. Im Mittel wiederum sind die Tracks … durchschnittlich. Das ändert aber nichts daran, dass selbst die potentiell nervtötenden Stücke ihre großen Augenblicke haben, in denen Elektrowahnsinn, Melodien, Gesang und Popappeal sich zu etwas verbinden, das Ohren und Augen leuchten lässt. Das heißt, selbst im Mittelmaß des Albums gibt es wahrhaft magische Momente.

Während die Beats zumeist klar aus einer Berliner Electroschule stammen, schrammen die Stücke insgesamt nicht selten haarscharf am Electro-Trash vorbei. Dennoch ist „Fullscreen“ in den Momenten am interessantesten, wenn der Pop – durchaus in der trashigen Form – die Stücke bestimmt, das heißt, rhythmus- und bassorientierte Tracks wie „Good Luck Ghost“ oder „Watch Dogs“ gehören zu den schwächeren Momenten. Allgemein stellt sich spätestens in der zweiten Albumhälfte eine gehörige Ermüdung ein, zumindest wenn die Platte durchgängig gehört wird. Es wird erkannt, wie wenig spannend der präsentierte Electropop tatsächlich ist. Andererseits finden sich aber die Highlights – außer „Illuminati Bitch“ – eben in dieser zweiten Hälfte. „Higher Higher“ und „Sunsetboys“ funktionieren mit am besten unter Electropop-Gesichtspunkten. Somit ist es auch so, dass „Fullscreen“ umso besser funktioniert, desto mehr der Versuch unternommen wird, ein breites Poppublikum anzusprechen, selbst wenn dies Bestreben insgesamt die Langzeitwirkung der Platte reduziert.

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