Martyn – Ghost People

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Es ist natürlich kein Zufall, dass Martyns zweites Album „Ghost People“ auf Flying Lotus‘ Label Brainfeeder erscheint. Wie FlyLo nutzt Martyn das, was war, das, was ist und seine eigene Kreativität, um einen Blick in die Zukunft zu wagen. Einen Ausblick, der immer auch mal schwer verdaulich, verständlich oder zugänglich sein kann. Natürlich gibt es auch Unterschiede, so ist Martyn selten so revolutionär, wie es FlyLo sein kann, und seine Mittel sind mehr an elektronischer Musik und Breakbeats orientiert denn an Soul, HipHop oder Jazz.

In den auf „Ghost People“ veröffentlichten Visionen der Zukunft finden sich somit ganz viel Drum’n’Bass- oder Jungle-Beats, ein Haufen klassischer Rave-Insignien oder sogar dubbige Techno-Passagen, kurz gefasst also eine ungemeine Energie, die direkt auf die Tanzfläche zielt. Neben dieser Energie sind es vor allem die rhythmische Akzentuierung und das Übereinanderschichten von verschiedenen Beat-Elementen, die einerseits langfristig faszinieren, aber vor allem hypnotisch in ihren Bann ziehen. So entwickelt die Platte einen fast kontinuierlichen Sog, der mit den ersten Synthiefäden im Intro „Love And Machines“ beginnt und uns erst mit dem Ausklingen der letzten Nachwehen von „We Are You In The Future“ loslässt. Eigentlich aber ist der ravige Electro von „We Are You“ eine Ausnahme auf dem Album, in dem hier das Rhythmische streckenweise in den Hintergrund tritt und die Melodie klassische Dancefloor-Momente heraufbeschwört. Ganz anders – und somit wie auch der Titeltrack typischer für „Ghost People“ – erklingt zuvor „Horror Vacui“, das bis auf einige Rave-Momente purer Beat ist. „Twice As“ wiederum verbindet souligen House mit an-gebrochenem jungeligem Beat. In der ersten Albumhälfte sind es Stücke wie „Popgun“ und „Masks“, die in ihrem hektischen Beattreiben sowohl energisch aufreibend wie musikalisch interessant sind.

Martyns Ideen für die (nahe) Zukunft konzentrieren sich ganz offenbar auf den Club und weniger auf das reine Experiment oder die Erkundung von Klängen im heimischen Wohnzimmer. Dies macht er auf seinem zweiten Album deutlich. In dieser funktionalen Orientierung gelingt „Ghost People“ als verdammt gute, aber unter Umständen in Momenten auch erschöpfende Platte.

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