Kid Koala – Space Cadet

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Die Idee ist gut. Doch die Welt ist noch nicht bereit. Oder ist doch eher Kid Koala nicht bereit? Als einer der besten DJs der Welt, als wahrer Zauberer am Plattenspieler, als Meister des Turntablism hat er sich einen Namen gemacht, und auch als Zeichner ist er kein unbeschriebenes Blatt.

„Space Cadet“ ist nun ein geätzter Comic, der als PDF oder Buch vertrieben wird und von einem „Still Picture Score“ begleitet wird. Wo die weiß-auf-schwarz-Präsentation des Comics einen eigenen Reiz hat, setzt Kid Koala bei der begleitenden Musik vor allem auf einfache Klavierinszenierungen, die von leichtem Scratching und einzelnen symphonischen Elementen verziert werden.

„Space Cadet“, der Comic, soll wohl unter anderem als Auseinandersetzung mit den Gefahren der Isolation durch den fortschreitenden technologischen Fortschritt betrachtet werden, ist aber am Ende nichts anderes als eine simple, kleine Beziehungsgeschichte – wobei „Beziehung“ nicht zwangsweise als Liebesverhältnis zu verstehen ist, auch wenn die Bilder genau dies vornehmlich suggerieren. Kid Koalas Zeichnungen betonen dabei das Süße, Bezaubernde, das Niedliche an der zwischen den Linien zu erkundenden Geschichte. Ohne Worte präsentiert, erscheint der gut 100-seitige Comic zu einfach, zu oberflächlich und der Niedlichkeitsüberschuss der Zeichnungen verstärkt das auf ungute Weise. „Space Cadet“ als Comic ist nett und absolut unwichtig.

Zum Unglück des Gesamtprojekts ergeht es den 15 mehr oder weniger kurzen Stücken des Soundtracks nicht viel besser. An jedem Stück allein lässt sich wenig aussetzen, aber in der Gesamtheit der als EP angelegten Stücke ist da zu viel Gleichklang, erkundet Kid Koala zu wenige Ideen. Sanft und betulich schreiten die Stücke voran und verströmen eine kontinuierliche Melancholie. Der Bezug zum Comic ist in kaum einem Moment eindeutig. Als Soundtrack erscheinen die Miniaturen mehr oder weniger als Dutzendware ohne großen eigenständigen Charakter. Daran ist nichts schlecht, aber ergreifen oder begeistern tut fast ebenso wenig. Die von Kid Koala gewählten Piano-Melodien sind in den besten Momenten nett, in den schlechtesten harmlos und der Übergang ist fließend.

Am Ende bleiben nette Zeichnungen ohne interessante Geschichte, aber voller „Cuteness-Overload“ und 15 Klavierstücke, die man gerne hört. Vor allem aber würde man sie nicht vermissen, wenn sie einem unbekannt wären.

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