Anstam – Dispel Dances

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Elektronische Musik ist häufig dann am besten, wenn der Künstler scheinbar oder real die Regeln des Genres ignoriert. Beispiele wären neben Flying Lotus unter anderem GAS oder Pantha Du Prince. Auch Anstam – ehemals zwei Brüder, heute mehr oder weniger – weiß um die Gepflogenheiten von tanzbaren Beats und atmosphärischen Flächen, bemüht sich auf seinem Debütalbum „Dispel Dances“ aber sie mehr oder weniger stark zu beugen.

Anstams zerstreute Tänze ziehen ihren Reiz vor allem aus der polyrhythmischen Überlagerung von verschiedenen Beatmustern. Kicks, Hi-Hats, Toms und Bassdrums machen ihr eigenes Ding und vereinen sich am Ende doch zu einem verblüffenden und mitreißendem Ganzen. Ravesignale, dräuende Synthesizer-Flächen, Pianoanschläge und metallische oder hölzerne Perkussion dienen zumeist allein dazu, Akzente zu setzen. Anstam vermag ein einfaches Drum-Muster derart einzusetzen, dass es allein schon einen Track ausmachen würde. Eingesetzte Akzentuierungen machen dann aus diesen puren Rhythmen tiefe, verblüffende, vielschichtige, mal industrielle, mal tribalistische, mal militärisch stampfende Stücke. Im Verlauf der Platte entsteht so immer mehr eine ungeheure Faszination daran, wie Anstam es vermag, mehrere separate gerade Takte ineinander zu verschachteln, und damit fast Jungle-artig klingende Tracks aus den Mitteln des Techno entstehen zu lassen. Im Gegeneinander von gebrochenen Mustern und geraden Beats offenbart sich Anstams großes Können. Die Polyrhythmik allein reicht Anstam im Grunde, um nicht nur ungemein energetisch treibende sondern auch bedrohlich intensive, atmosphärische Stücke zu schaffen.

Neben diesen Pluspunkten leidet das Album aber in manchem Moment unter einer gewissen Überfülle an Ideen und einem Mangel an deren konsequenter Durchführung. Das Beugen von Regeln allein garantiert in dieser Hinsicht noch nicht die Qualität. Daher gilt, so sehr „Dispel Dances“ auch beeindrucken mag, so ist am Ende doch nicht alles Gold, was Anstam hier präsentiert. Manches wirkt bemüht, manches erscheint nicht vollkommen durchdacht. Damit erhöht „Dispel Dances“ die Zahl der Alben elektronischer Musik des Jahres 2011, auf denen wahnsinnig gute Nummern oder Teile von Stücken mit solchen konkurrieren, die zwiegespalten hinterlassen. Die guten Tracks wiederum gehören mit zum faszinierendsten was in jüngerer Zeit an elektronischer Musik veröffentlicht wurde.

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