Zola Jesus – Conatus

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Nika Roza Danilova meldet sich dreizehn Monate nach „Stridulum II“ zurück. Nachdem letztes Jahr das Zischende den Titel gab, ist es dieses Jahr das innere Bestreben, weiter zu bestehen, „Conatus“. Diese Persistenz des Wesens (von) Zola Jesus – so Danilovas Künstlername – lässt sich auch auf die stilistische und musikalische Kontinuität von „Stridulum“ zu „Conatus“ übertragen. Was als Erstaunen oder gar Vorwurf ob der mangelnden Weiterentwicklung beginnt, entwickelt sich schnell zur Begeisterung über die weiter außergewöhnliche Qualität des Danilova’schen Schaffens.

Somit gründet die Anmut des neuen Albums wie schon beim Vorgänger in der Verbindung von purem Popappeal, dem Streben nach dem großen Popsong und industriell sowie elektronisch modifizierter Düsternis. Erneut wäre es einfach, hier von Neo-Goth zu sprechen, wozu natürlich auch Danilovas opern-geformter Gesang beiträgt. Natürlich wohnt dem Album ein gewisser Schwermut inne, und auch der Albumtitel mag – nimmt man ihre Aussagen gegenüber dem britischen Guardian hinzu – dahingehend gedeutet werden, eben dieser inneren Dunkelheit widerstehen zu wollen, dennoch aber sind gerade wegen dieser Ehrlichkeit der Gefühle die Stücke auf „Conatus“ so viel mehr als einfach dunkel und schwermütig.

Das Streben nach wohlgelaunter Poppigkeit im Wechselspiel mit purem Gefühl gibt der Musik von Zola Jesus ihren eigenen Reiz, der über mehr als ein Album trägt. Die Emotionalität und die Energie von Beats, Gesang und Arrangements verleihen den Stücken ihre Intensität. Selbst die zurückgenommensten Momente nehmen den Hörer in ihrer Schwere gefangen. Neben Danilovas Stimme, die erneut einmal droht und einmal ungemein verletzlich erscheint, bestimmen der Drumcomputer und synthetische Melodiebögen das Album, werden jedoch (nicht nur) von Streicherarrangements und Klavier ergänzt. Wo die Beats zuvor zumeist voller purer Energie stampften, reichen sie diesmal von chaotischer Eskalation bis zu fehlerhafter Glitch-Electronica. Wo einerseits das Experimentelle nicht nur in Beat, sondern auch in der Stimme klarer hervortritt, darf sich aber andererseits auch der Synthiepop – der durchaus eine der fundamentalen Grundlagen des Schaffens von Zola Jesus darstellt – klarer und eigenständiger entfalten. Am Ende ist „Conatus“ nicht der „riesige Sprung“, den das Label suggeriert, sondern vielmehr eine kleine, subtile und doch ungemein effektive Variation des bereits Bekannten. So genießt man die Vertrautheit dieser Platte ebenso wie die Erkundung der kleinteiligen Neuerungen. Wer wiederum Nika Roza Danilova mit „Conatus“ erst kennenlernt, wird umso begeisterter sein.

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