Various Compiled By James Priestley & Giles Smith – 10 Years Of Secretsundaze

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Zum zehnten Geburtstag ihrer Partyreihe lassen es sich Giles Smith und James Priestley nicht nehmen, selbst die dritte Ausgabe der zugehörigen Mix-CD zusammenzustellen. „10 Years Of Secretsundaze“ gelingt dabei als wenig spektakuläre, aber umso gefälligere Doppel-CD, die allein schon wegen ihrer über zweieinhalb Stunden gleichbleibend hohen Qualität überzeugt.

Priestley und Smith gehen dabei klar arbeitsteilig vor. Priestley liefert auf der ersten CD den stilistisch vielfältigeren Mix, der einerseits eher am UK-Garage orientiert und andererseits latent discoid gefallen will, ohne zum Tanzen zu zwingen. Alles in allem ist diese erste Hälfte die zurückgelehntere. Giles Smith wiederum wählt für seinen Mix, den zweiten Teil der Compilation, den direkten, funktionaleren, den geraden, minimaleren Weg – ohne dabei auf die entspannte Atmosphäre zu verzichten. Spätestens mit Specters „Make Me Feel“ versetzt der Beat hypnotisch in Bewegung. Der dubbige House ist ein erstes Highlight. Marshall Jefferson vs. Noosa Heads haben mit ravigen „Mushrooms“ dann leichtes Spiel und der Beat von RNDMs „Hideaway Lane“ bringt endgültig die Stimmung zum Überkochen. Da setzen Anthony Shakir und Skudge an, und beim Hörer übernimmt der Autopilot. „Ominous“ von Steven Tang sorgt dafür, dass die technoide Begeisterung bis zum Ende trägt, bevor uns dann atmosphärisch-hypnotische, housige Tiefe aus dem Mix heraus leitet.

Bei Priestley steht die musikalische Erkundung vor dem Tanzen. Mag die Eröffnung durch Mark Es Remix von DJ Ageihi & Ackin’s „Rain Parade“ auch durchaus treibend und fast hektisch gelingen, so fasziniert dessen Arrangement doch mehr, als das es wirklich den Körper in Bewegung versetzt. In diesem Sinne fährt Priestley fort und lässt den Funk von Space Dimension Controller in den Garage von GHL überleiten. Rootstrax macht da weiter und löst in seiner Beathüpfburg „Harlequin“ durchaus einzelne Jubelschreie aus. Von da geht es eher in housige Gewässer und Recloose funky Vocalsounds sind dann das nächste kleine Überraschungsmoment, dem sich ein großer Augenblick in Form von Maddslinskys Bassfeuerwerk anschließt. Was der Beginn von Priestleys Mix subtil andeutete, tritt im Folgenden voll zu Tage. Disco findet sich in Form von discoiden Ghetto-House-Hybriden (Ghetto Brothers) und spacig-funkigem Techhouse (Locussolus), aber der Mix ist so geschickt aufgespannt, dass auch nachfolgend im minimalen House von Metope und Steffi die 1970er immer noch mit(zu)schwingen (scheinen). So wundert es dann nicht, dass Priestley uns mit Voyages „I Love You Dancer“ rausschmeißt – und zwar strahlend.

„10 Years Of Secretsundaze“ ist nicht perfekt, aber wenn Priestley und Smith die Intensität noch gesteigert hätten, wäre es unter Umständen für die heimische Anlage zu viel geworden. So ist dieser Doppelmix einer der seltenen Fälle, wo die Dauer einer (oder eben zweier) CDs nicht unnötig, sondern ausgesprochen effektiv ausgenutzt wird.

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