Twin Sister – In Heaven

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Twin Sister stammen von Long Island. Diese geographische Verortung ist jedoch weniger von Belang denn ihre musikalische Zuordnung. Auch wenn sie im Zuge des Chillwave-Hypes bzw. des Dreampop-Revivals in den Fokus der musikalischen Blogosphäre gerieten, stehen die fünf Zwillingsschwestern doch eigentlich einfach im Spannungsfeld von Pop und Independent. Wo dieses Gegeneinander zu perfekten Verbindungen von spannenden Arrangements und begeisternden Melodien führen kann, steht das Debütalbum „In Heaven“ vor allem im Zeichen eines zurückgelehnten, geradezu ambienten Popentwurfs, der in seiner Trägheit jede Spannung vernichtet, in keinem Moment die Faszination neuer und alter Dreampop-Hits besitzt und sich weitgehend in erschreckender Langweile ergeht.

Das Abstreifen der Chillwave-Schublade als Vorwurf zu formulieren, ist natürlich nicht fair. Immerhin ist das Genre vollkommen 2010 und Ende 2011 damit nicht mehr wirklich von Belang. So findet sich denn auch viel Nettes im Twin Sister’schen Himmel. Das Adjektiv „nett“ ist jedoch eben doch eher eine Beleidigung denn ein Lob. Aber immerhin, sie bemühen sich. Die erste Hälfte „In Heavens“ glänzt mit netten Harmonien, die aber in Songs erklingen, deren Poppigkeit sich nicht zuletzt an Peter Bjorn & John zu orientieren scheint, aber selten deren hymnische Charakteristike erreicht, noch irgendwelche Aufmerksamkeit erzeugende oder fesselnde Alleinstellungsmerkmale besitzt. Auch die zweite Albumhälfte glänzt ähnlich uninspiriert und altbacken. Mag „Stop“ auch ein kleiner melancholischer Ohrwurm sein, ermüdet seine Spannungslosigkeit doch enorm, und „Saturday Sunday“ ist auch nicht mehr als ein einfach gefälliger Popsong.

Wenn die Band sich dann in „Kimmi In A Rice Field“ ihrer Faszination für Shoegaze und seiner elektronischen Geschwister wie M83 erinnert, erneuert das spontan die an Band und Album gestellten Erwartungen. Tatsächlich wissen „Kimmi“ sowie das nachfolgende „Luna’s Theme“ in gewissem Maße zu gefallen, verströmen die glockenklaren Harmonien in Verbindung mit den hintergründigen Noise-Anklängen eine erweckende Spannung. Daran hindert auch ihre latente Eintönigkeit nichts, so sehr stehen die beiden Stücke über dem drögen Rest des Albums. Zum Albumabschluss greift „Eastern Green“ die verrauschte Spannung noch einmal auf, verbindet sie mit begeisternden Harmonien und gelingt so als absoluter Albumhöhepunkt – und selbst da erscheint manch ein Takt erschreckend hölzern.

Nett und bemüht, so erklingen Twin Sister auf ihrem Albumdebüt. Altbacken, kraftlos, schal tönt das Ergebnis und stirbt in Schönheit. „In Heaven“ zu hören, wird niemanden stören, aber ob es wirklich jemanden begeistern kann?

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