Tobias. – Leaning Over Backwards

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Der nächste Albumstreich aus dem Hause Ostgut Ton (nach Steffi, Dettmann und Ben Klock) präsentiert uns das Debüt von Tobias Freunds Alias tobias.. Während sein NSI-Kollege Max Loderbauer sich gerade mit Ricardo Villalobos dem ECM-Backkatalog widmete, schafft Freund auf „Leaning Over Backwards“ eine vielfältige Technoklangexkursion. In den zwölf Tracks bietet er sowohl Experimentelles wie minimal Clubbiges wie aber auch fast maximal Raviges.

Einerseits ist da die Eröffnung „Girts“, deren schallgedämpfte Bässe und Beats ein Gefühl des Versinkens auslösen. Ein Gefühl, das auch in stilistisch anders orientierten Tracks des Albums durchscheint, wie zum Beispiel unter den monoton – durchaus im negativen Sinne – pulsierenden Beats des nachfolgenden „Party Town“. Letzteres Stück wiederum wird unterstützt – wie noch andere im Albumverlauf – von Aerea Negrots Vocals. „Party Town“s Beat variiert tatsächlich über sieben Minuten nicht einmal, doch das anfängliche Gefühl der Langeweile weicht im Laufe des Stücks einer beängstigenden Hypnose.

Das Experimentelle der Albumeröffnung tritt auch im ambienten Dröhnen eines Stücks wie „Zero Tolerance“ zutage, dessen blubbernder Rhythmus die Tapetenfläche vibrieren und die Wand organisch werden lässt. Irgendwo zwischen Experiment von durch den Schalldämpfer gedrückten Bässen und versunkenem Clubglücksgefühl entfaltet sich der Titeltrack, der so in gewissem Sinne die Vielfalt des Albums in sich vereint. Dagegen wirkt „Free No. 1“ old-schoolig elektronisch an der Grenze von HipHop und House. Geradezu hektisch wird es im zusammen mit AtomTM entstandenen „The Key“, dessen Inszenierung vielfältig in seinen Bann zieht. Wo das Album experimentell-dunkel beginnt, endet es ambient zitternd dunkel und doch erhebend mit „Now I Know“.

Ein Höhepunkt des Albums ist sicherlich die fast underworld-poppige Clubnummer „Skippy“, der sich zu entziehen schwer fallen dürfte; sie ist ein Stück technoider Perfektion, dessen Arrangement staunen lässt und begeistert. Ähnlich direkt gelingt tobias. „We Stick To The Plan“. Es verblüfft, wie selbst eine kleine vibrierende und durchaus zwiespältige Miniatur wie „Voices Told Me To Do That“ zur Qualität des Albums beiträgt. tobias. schafft es, die Heterogenität des Albums, die leicht unruhig, anstrengend und unzusammenhängend wirken könnte, in eine faszinierende Vorstellung seines Konzepts von Techno umzuwandeln.

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